Pyrenäen Coast to Coast 2005

Mit dem Fahrrad vom Mittelmeer bis zum Atlantik
Karte

Der Tag des Anfluges

Wien - Barcelona - Girona - Darnius | 1400 km | 0 hm

Alle Vorbereitungen waren erledigt, und so brauchte ich nur mehr das Flugzeug nach Barcelona besteigen, von dort mit dem Bus nach Girona weiterfahren und mich von den Pocolocos aufklauben lassen. Wirklich? Nein.

Ok, das Rad war beim Service und wurde für Gut befunden und die Schachtel für den sicheren Transport stand auch seit Montag daheim. Weil ich Angst vor der Technik hatte, hatte ich es sogar schon zerlegt und eingepackt - war überraschend einfach. Der Karton war etwas gross, das Rad passte rein, nachdem ich den Lenker abmontiert und ein Pedal abgeschraubt hatte. Das 2. widersetzte sich meinen und Lillys vereinigten Kräften. Das Vorderrad musste auch noch raus, und schon liess sich die Schachtel zukleben. Mit 2 Metern Länge war der Transport mit meinem Auto aber illusorisch, da musste schon ein Bus her.

Nur leider liess ich mir etwas Zeit mit dem Besorgen von Ersatzteilen. Die Organisatoren hatten mir eine Liste mitgeschickt, was ich alles brauchen koennte. Den Rest gibt's unterwegs zu kaufen. Dummerweise hielten sie mich am Donnerstag noch bis 17.30 in der Arbeit fest, als ich dann endlich beim Radhändler eintrudelte, wollte der schon fast zumachen. Und hatte dann keine Bremsbeläge mehr auf Lager (fuer Scheibenbremsen fuehren sie keine Belaege mit, was etwas seltsam war - immerhin stellte sich heraus, das gute 2/3 meiner Mitkaempfer mit solchen unterwegs waren). Schluck. Den Rest von der Liste (im Prinzip Schaltauge und Speichen) hatte ich aber zumindest in der Tasche.

Dann, der grosse Tag. Das bestellte Taxi war pünktlich, und auch wirklich ein Kleinbus. Wir verstauten die Riesenschachtel hinten und nahmen Platz. Am Flughafen wurden wir gleich mal redirigiert, zum Sperrgepäck. Dort wogen sie Rad und Rucksack und meinten, dass 31 Kilo doch etwas viel seien. Ob ich gerne 12 Euros pro Kilo zahlen möchte, oder doch lieber etwas ins Handgepäck umschlichten? Hm, letzteres. Also alles, was klein und schwer ist in den kleinen Rucksack. 26 Kilo? Passt.

Nach dem Abschied lurchte ich frühstückend und wartend herum. Entschied mich dagegen, meinen Büchervorrat doch noch durch einen wohlfeilen Arto Paasilinna zu ergänzen, 2 frische Bücher würden schon reichen. Dann der Security-Check. Mein Rucksack schien verdächtig. Und dann die Erkenntnis: Verdammt. Welche Eigenschaften hat ein Multitool? Es ist klein und schwer. Was noch? Es ist ein Messer drauf. Ich könnte mich schwarz ärgern - ab mit uns ins Büro, wo ich mir für 10 Euros das Ding heimschicken lassen konnte.

Werkzeuglos, Bremsbelagslos. Kein guter Anfang. Ab ins Flugzeug.

Der Flug war dann recht angenehm - ich kam neben einer jungen Iranerin zu sitzen, die recht begeistert war, als ich ihr von meinem Iran-Urlaub erzählte, und wir unterhielten uns gut bis zur Landung. Dann das Zittern und Bangen: Würde ich mein Fahrrad auch wiederbekommen? In einem Stück?

Das Förderband lief an, mein Rucksack tauchte auf und dann sah ich auch durch die Gummiabdeckung die heissersehnte Schachtel: Oh weh, sie kratzt die Kurve nicht! Ein beherzter Fusstritt eines Gepäckwerfers, und dann ging's schon. Das schmerzt.

Schachtel und Rucksack auf einem Rollwagerl, die Schachtel hochkant, damit ich auch durch diverse Türen komme - ein Blindflug. Irgendwie habe ich es aber geschafft, nicht allzuviele Kleinkinder und Pensionisten zu überfahren und verliess das Flughafengebäude. Draussen fand sich die Bushaltestelle auch relativ rasch, mit vertretbarer Wartezeit von ca. einer Stunde bis zum nächsten Bus. Die misstrauischen Blicke der anderen Passagiere erwiesen sich dann als berechtigt: Nachdem ich meine Schachtel verstaut hatte, blieben noch drei oder vier Kubikzentimeter Platz für das restliche Gepäck übrig. Aber alles kein Problem! Im Bus ist ja auch noch Platz, und überfüllt war er nicht.

Die Belgier flogen alle mit Ryan-Air und landeten deswegen nicht in Barcelona, sondern in Girona. Deswegen war der Aufklaub-Punkt auch am dortigen Flughafen, und der Bus sollte mich dahin bringen. Würde er auch, meinte der Busfahrer, zumindest glaubte ich das. Da "gebrochen" noch ein ziemliches Kompliment für meine Spanischkenntnisse wäre, wunderte ich mich auch nicht allzu sehr, als wir mit vollem Tempo am Schild "Aeropuerto" vorbeirasten und stattdessen am Bahnhof im Zentrum von Girona Halt machten. Ich teilte den Reiseleitern diese neue Entwicklung per Mobiltelefon mit und machte mich ans Warten.

Nachdem Ryanair die restlichen Mitfahrer abgeliefert hatte, kamen sie, um mich zu erretten. Ich lernte 6 meiner Kollegen kennen, vergass die Namen sofort wieder, entsorgte die ohnehin schon ziemlich mitgenommene Schachtel, weil kein Platz mehr war im Jeep, dann schnallten wir mein Rad oben drauf und fuhren ins Hotel.

Dort wurde ich meinem neuen Zimmerkollegen zugeteilt, Johann, etwas älter als ich, etwas fitter und ganz gut des Englischen mächtig. Wir plauderten etwas, dann duschte ich und lieh mir ein Werkzeug zum Renovieren meines Rades. Alles war noch dran, alles funktionierte - grosse Erleichterung meinerseits!

Die Belgier waren in der Bar mit Beschnuppern und Biertrinken beschäftigt, leider auf Flämisch. Ich wanderte also etwas ziellos herum, las etwas und wartete generell aufs Abendessen. Das war dann auch ganz lecker, bis auf den eisgekühlten Rotwein mit sagenhaften 12 % (ein Trend, der sich über die restliche Reise nicht umkehren sollte). Nach dem Essen gab es dann die Streckenbeschreibung der morgigen ersten Etappe. Höhenprofil, eine Übersichtskarte, die zum Navigieren eher nutzlos war und eine kurze Erklärung des Guides: Hier Strasse, hier Offroad, hier steil, hier Dorf. Hier "Soft Offroad", was immer wieder für Erheiterung sorgte, weil seine Definition von "Soft Offroad" auch schon mal eine Tragestrecke inkludierte.

Danach liessen sich die Belgier noch auf ein Bier oder zwei nieder, ich schnappte mir den einen oder anderen für englische Einzelgespräche, aber generell konnte ich den Diskussionen natürlich nicht beiwohnen - das flämische Niederländisch war zwar teilweise verständlich, aber manche nuschelten in Dialekten dahin, die jede Worterkennung unmöglich machten.

Also, wie an so vielen Abenden: Fernsehen, Buch, früh Schlafengehen - es versprach, gesund zu werden!

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