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Alle Vorbereitungen waren erledigt, und so brauchte ich nur mehr das Flugzeug
nach Barcelona besteigen, von dort mit dem Bus nach Girona weiterfahren und
mich von den Pocolocos aufklauben lassen. Wirklich? Nein.
Ok, das Rad war beim Service und wurde für Gut befunden und die Schachtel
für den sicheren Transport stand auch seit Montag daheim. Weil ich Angst
vor der Technik hatte, hatte ich es sogar schon zerlegt und eingepackt - war
überraschend einfach. Der Karton war etwas gross, das Rad passte rein,
nachdem ich den Lenker abmontiert und ein Pedal abgeschraubt hatte. Das 2.
widersetzte sich meinen und Lillys vereinigten Kräften. Das Vorderrad
musste auch noch raus, und schon liess sich die Schachtel zukleben. Mit 2
Metern Länge war der Transport mit meinem Auto aber illusorisch, da
musste schon ein Bus her.
Nur leider liess ich mir etwas Zeit mit dem Besorgen von Ersatzteilen. Die
Organisatoren hatten mir eine Liste mitgeschickt, was ich alles brauchen
koennte. Den Rest gibt's unterwegs zu kaufen. Dummerweise hielten sie mich am
Donnerstag noch bis 17.30 in der Arbeit fest, als ich dann endlich beim
Radhändler eintrudelte, wollte der schon fast zumachen. Und hatte dann
keine Bremsbeläge mehr auf Lager (fuer Scheibenbremsen fuehren sie keine
Belaege mit, was etwas seltsam war - immerhin stellte sich heraus, das gute
2/3 meiner Mitkaempfer mit solchen unterwegs waren). Schluck. Den Rest von der
Liste (im Prinzip Schaltauge und Speichen) hatte ich aber zumindest in der
Tasche.
Dann, der grosse Tag. Das bestellte Taxi war pünktlich, und auch wirklich
ein Kleinbus. Wir verstauten die Riesenschachtel hinten und nahmen Platz. Am
Flughafen wurden wir gleich mal redirigiert, zum Sperrgepäck. Dort wogen
sie Rad und Rucksack und meinten, dass 31 Kilo doch etwas viel seien. Ob ich
gerne 12 Euros pro Kilo zahlen möchte, oder doch lieber etwas ins
Handgepäck umschlichten? Hm, letzteres. Also alles, was klein und schwer
ist in den kleinen Rucksack. 26 Kilo? Passt.
Nach dem Abschied lurchte ich frühstückend und wartend herum.
Entschied mich dagegen, meinen Büchervorrat doch noch durch einen
wohlfeilen Arto Paasilinna zu ergänzen, 2 frische Bücher würden
schon reichen. Dann der Security-Check. Mein Rucksack schien verdächtig.
Und dann die Erkenntnis: Verdammt. Welche Eigenschaften hat ein Multitool? Es
ist klein und schwer. Was noch? Es ist ein Messer drauf. Ich könnte mich
schwarz ärgern - ab mit uns ins Büro, wo ich mir für 10 Euros
das Ding heimschicken lassen konnte.
Werkzeuglos, Bremsbelagslos. Kein guter Anfang. Ab ins Flugzeug.
Der Flug war dann recht angenehm - ich kam neben einer jungen Iranerin zu
sitzen, die recht begeistert war, als ich ihr von meinem Iran-Urlaub
erzählte, und wir unterhielten uns gut bis zur Landung. Dann das Zittern
und Bangen: Würde ich mein Fahrrad auch wiederbekommen? In einem
Stück?
Das Förderband lief an, mein Rucksack tauchte auf und dann sah ich auch
durch die Gummiabdeckung die heissersehnte Schachtel: Oh weh, sie kratzt die
Kurve nicht! Ein beherzter Fusstritt eines Gepäckwerfers, und dann ging's
schon. Das schmerzt.
Schachtel und Rucksack auf einem Rollwagerl, die Schachtel hochkant, damit ich
auch durch diverse Türen komme - ein Blindflug. Irgendwie habe ich es
aber geschafft, nicht allzuviele Kleinkinder und Pensionisten zu
überfahren und verliess das Flughafengebäude. Draussen fand sich die
Bushaltestelle auch relativ rasch, mit vertretbarer Wartezeit von ca. einer
Stunde bis zum nächsten Bus. Die misstrauischen Blicke der anderen
Passagiere erwiesen sich dann als berechtigt: Nachdem ich meine Schachtel
verstaut hatte, blieben noch drei oder vier Kubikzentimeter Platz für das
restliche Gepäck übrig. Aber alles kein Problem! Im Bus ist ja auch
noch Platz, und überfüllt war er nicht.
Die Belgier flogen alle mit Ryan-Air und landeten deswegen nicht in Barcelona,
sondern in Girona. Deswegen war der Aufklaub-Punkt auch am dortigen Flughafen,
und der Bus sollte mich dahin bringen. Würde er auch, meinte der
Busfahrer, zumindest glaubte ich das. Da "gebrochen" noch ein ziemliches
Kompliment für meine Spanischkenntnisse wäre, wunderte ich mich auch
nicht allzu sehr, als wir mit vollem Tempo am Schild "Aeropuerto" vorbeirasten
und stattdessen am Bahnhof im Zentrum von Girona Halt machten. Ich teilte den
Reiseleitern diese neue Entwicklung per Mobiltelefon mit und machte mich ans
Warten.
Nachdem Ryanair die restlichen Mitfahrer abgeliefert hatte, kamen sie, um mich
zu erretten. Ich lernte 6 meiner Kollegen kennen, vergass die Namen sofort
wieder, entsorgte die ohnehin schon ziemlich mitgenommene Schachtel, weil kein
Platz mehr war im Jeep, dann schnallten wir mein Rad oben drauf und fuhren ins
Hotel.
Dort wurde ich meinem neuen Zimmerkollegen zugeteilt, Johann, etwas älter
als ich, etwas fitter und ganz gut des Englischen mächtig. Wir plauderten
etwas, dann duschte ich und lieh mir ein Werkzeug zum Renovieren meines Rades.
Alles war noch dran, alles funktionierte - grosse Erleichterung meinerseits!
Die Belgier waren in der Bar mit Beschnuppern und Biertrinken
beschäftigt, leider auf Flämisch. Ich wanderte also etwas ziellos
herum, las etwas und wartete generell aufs Abendessen. Das war dann auch ganz
lecker, bis auf den eisgekühlten Rotwein mit sagenhaften 12 % (ein Trend,
der sich über die restliche Reise nicht umkehren sollte). Nach dem Essen
gab es dann die Streckenbeschreibung der morgigen ersten Etappe.
Höhenprofil, eine Übersichtskarte, die zum Navigieren eher nutzlos
war und eine kurze Erklärung des Guides: Hier Strasse, hier Offroad, hier
steil, hier Dorf. Hier "Soft Offroad", was immer wieder für Erheiterung
sorgte, weil seine Definition von "Soft Offroad" auch schon mal eine
Tragestrecke inkludierte.
Danach liessen sich die Belgier noch auf ein Bier oder zwei nieder, ich
schnappte mir den einen oder anderen für englische Einzelgespräche,
aber generell konnte ich den Diskussionen natürlich nicht beiwohnen - das
flämische Niederländisch war zwar teilweise verständlich, aber
manche nuschelten in Dialekten dahin, die jede Worterkennung unmöglich
machten.
Also, wie an so vielen Abenden: Fernsehen, Buch, früh Schlafengehen - es
versprach, gesund zu werden!
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