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Erlebnisse eines Stadtradlers, aufgezeichnet mit Archos 404 + Helmetcam-Zubehoer:
Bergradeln
Die Einstiegsdroge ins ernsthafte Radeln!
Nach ersten Experimenten damals mit dem 45 kg schweren Stahlbock mit Kotfluegel, Licht und allen Reflektoren, die es gibt hat es immerhin fast 10 Jahre gedauert, bis ich mich wieder in die Waelder wagte - und war sofort zu 100% suechtig. Gut, hinaufzu, das war nicht so lustig. Aber dann der 1. Wanderweg, dem entlang ich dort oben dann weiterheizte... Verloren fuer immer. Unbeschreibliches Gefuehl, und leider auch unwiederholbar. Bei der 2. Ausfahrt legte ich dann gleich mal einen eleganten Abgang ueber den Lenker hin beim Downhillen, aber selbst das konnte mich nicht mehr retten. Unzaehlige Stuerze, einer davon mit Ambulanzbesuch; mehrere Hektoliter Schweiss auf Waldboeden verteilt und viele Euros in gute Raeder investiert, das ist die bisherige Bilanz. Aber auch zb 1000+km durch die Pyrenaeen geheizt, vom Mittelmeer bis zum Atlantik (ok, nicht ganz), viele schoene Gegenden erkundet und meine grosse Begeisterung fuer die Berge wiederentdeckt. Was ich mag sind lange Touren, landschaftlich schoen und technisch nicht allzu einfach. Ich bin weder Downhiller, noch XC-Fahrer, also alles in Moderation, ausser Hoehenmeter und Kilometer. Die fress' ich gerne. Dementsprechend auch meine Ausruestung: Stevens M7 Race Mein erstes ordentliches Geraet, und was fuer ein Unterschied. Steht noch immer neben mir und macht auf kurzen Touren ziemlich Spass, weil es wahnsinnig dynamisch und gut zu fahren ist. Auf den Forststrassen ordentlich Gas geben, bergauf richtig beissen und bergab trotzdem halbwegs bequem. Der Rahmen ist halt schon etwas steif, lange Downhills spuert man dann schon in den Haenden. Daher dies hier als Zweitrad: Stevens F9 Lite Fuer die Pyrenaeen-Querung erstanden, ein tolles Geraet. Ordentlich ausgestattet, nicht allzu leicht, aber auch nicht ueberdrueber schwer. Es war ideal fuer diese lange Tour, wenn nicht diverse Scheibenbremsenprobleme gewesen waeren (ist noch immer nicht vollkommen ausgestanden). Ist natuerlich etwas traeger und das spuert man auch an der Schnittgeschwindigkeit, aber dafuer hat es mich in den Pyrenaeen auch 15km Downhill auf schlimmsten Schotterschlaglochpisten getragen, ohne blaue Flecken am Arsch und zersplitterte Handwurzelknochen (dafuer hab ich das Rennrad). Fuer 2007 geplant:Dringend einmal die Dachsteinrunde fahren Sportliche Ziele:20er-Schnitt auf der Kahlengebirgs-Trainingsstrecke Tour mit 100 km und >2000 hm an einem Stueck ueberleben
Geschrieben von hEkker
in Bergradln
am
Mittwoch, 7. Februar 2007 23:43
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Stadtradler
Das Rad als Fortbewegungsmittel im Alltag, so hat bei mir die Misere ueberhaupt erst angefangen. Gerade in der Grossstadt gibt es kaum eine bessere Art, wie man seine taeglichen Wege erledigen kann. Vor allem, wenn die Strecken meist so kurz und knackig sind wie meine.
Es ist eine gute Moeglichkeit, um ein paar Kalorien zu verbrennen jeden Tag und etwas in Form zu bleiben, und das ohne Extra-Aufwand. Die Leute stapfen ins Fitnessstudio oder gehen Laufen, bei mir ist der Sport schon zu einem gewissen Anteil in den Alltag integriert. Mindestens ein Mal am Tag den Puls ordentlich hochjagen ist ja angeblich gesund. So lang man dabei nicht dauernd auf die Nase faellt, wie ich. MaterialSeit Maerz 2006 bin ich mit einem Rennrad unterwegs, das ich gebraucht recht billig erstanden habe. Mit der Tiagra-Ausstattung und Alurahmen (inklusive Alugabel) ist es zwar nicht das leichteste aller Zweiraeder, aber fuer die Stadt reicht es. Und wenn's wer fladert, umso besser, kauf ich mir ein neues, besseres! Vorteile sind natuerlich: Dynamischeres Fahren, bessere Beschleunigung bei Kreuzungen, hoehere Geschwindigkeit, vor allem im Berufsverkehr fliesst man richtig gut mit. Durch den knappen Radstand ist man auch wendig beim Navigieren durch die Kolonnen. Die Nachteile liegen ebenso auf der Hand: Weder Kotfluegel (die optisch ueberhaupt nicht passen) noch Gepaecktraeger (Einkaeufe muessen auf den Ruecken). Strassenbahnschienen erfordern viel Feingefuehl beim Queren, da die 23mm-Reifen wunderbar in die Rillen passen. KleidungDa ich das Rennrad auch fuer sportliche Ausfahrten benutze, sind SPD-Pedale drauf. Das schraenkt die Auswahl an Schuhen sehr stark ein - ich fahre MTB-Schuhe, die nicht ganz so extrem aussehen wie echte Rennradl-Schuhe. Aber stylisch & elegant ist halt was anderes. Die schnellere Beschleunigung bei Ampeln ist mir das aber mehr als wert. Ebenso die fehlenden Kotfluegel - bei nasser Strasse (auch wenn es gar nicht mehr regnet) braucht es die Plastik-Ueberhose, ansonsten gibt's feuchten Hosenboden, eher unangenehm im Alltag. Am wenigsten stoert die Gebaecktraegerlosigkeit: Salzstangerl & Semmeln passen genug in meine huebsche, neue Chrome-Bag, die stylisch ueber der linken Schulter haengt und Buegelschloss sowie Ruecklicht traegt. Natuerlich muss man fuers (sportliche) Radfahren Kompromisse bei der Kleidung eingehen, die die wenigsten Leute zu machen bereit sind. Trekking-Hosen aus dem Sportgeschaeft sind besser als Jeans, und statt dem eleganten Sakko trage ich in Winter und Uebergangszeit eine Windstopper-Jacke. Mich stoert das gar nicht, ganz im Gegenteil - durch die funktionelle Kleidung (die im uebrigen alles andere als billig ist!) mache ich ein Statement, das mich zwar vielleicht nicht als Traummann fuer Hofratstoechter qualifiziert, aber mir ganz gut gefaellt. Wind & Wetter fordern Spezialkleidung: Ueberschuhe, Schirmkappen, Regenhosen, Handschuhe - kostet Geld & Zeit fuer An- und Ausziehen, Pflege und Wartung. Aber besser als U-Bahn-Fahren bei jedem feuchten Tropfen. Im VerkehrHalt: Muss man Kompromisse eingehen? Viele Leute fahren mit normaler Alltagskleidung, und die wenigsten gar mit Spezialpedalen. Bin ich ja auch lang genug, als ich noch mit dem Bergrad unterwegs war. Aber seit ich mit dem Rennrad die Moeglichkeit habe, richtig mitzuschwimmen, bin ich direkt begeistert, wie angenehm es im Verkehr sein kann. Fahrten ueber Guertel und anderen 3spurigen Hochgeschwindigkeitsstrecken wie der Hoerlgasse haben viel vom frueheren Schrecken verloren. Dafuer graut es mir vor Radwegen mit den Schlagloechern, unerwarteten Hindernissen und schlechter, kurviger Streckenfuehrung. Seit ich die Erleuchtung hatte, dass es etwas unlogisch ist, sich staendig ueber Verkehrsregelmissachtende Autofahrer zu beschweren, waehrend man selbst ohne Licht bei Rot ueber die Ampel heizt, bin ich etwas braver geworden: Rote Ampeln werden ueblicherweise beachtet, auch wenn weit und breit kein Querverkehr in Sicht ist. Gehsteige sind baeh, schon alleine, weil man eh so langsam fahren muss. Und zumindest ein paar blinkende LEDs vorn und hinten reichen den Kieberern aus, die froh sind, wenn ueberhaupt was leuchtet am Radler. Ganz zu schweigen davon, dass sie die Ueberlebenschancen etwas steigern. Die Einbahnregel missachte ich zwar noch taeglich - aber man kann ja nicht alles haben. Die Konsequenz ist, dass ich mich als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer fuehle, und sehr selbstbewusst auftrete. Ich habe ueberhaupt kein Problem damit, in der Mitte der Fahrspur zu fahren, wenn rechts parkende Autos mit Tueraufreiss- und Fussgaenger-Ausspuck-Gefahr sind. Oder zwischen den Bimgleisen. Diejenigen, die mich hier unbedingt weghupen & ueberholen muessen, sehe ich zu 90% bei der naechsten Ampel wieder. Tatsaechlich fuehlen sich manche Autler provoziert durch dieses Verhalten, kommt mir vor, ich wurde sogar schon aus dem offenen Fenster beschimpft. Ich gebe aber auch ordentlich zurueck, wenn jemand meine Geschwindigkeit zB unterschaetzt und meint, noch vor mir abbiegen zu koennen, also ist das schon OK, so. Darum bin ich auch bei Strassen wie der Operngasse bevorzugt auf dem Fahrstreifen unterwegs und meide die Radwege. Eigentlich illegal - aber ich habe nicht das Gefuehl, dass ich dort ein grossartiges Hindernis darstelle. Wie gesagt, see you at the next red light. Am Wichtigste scheint mir: Als Radfahrer bist du genauso Verkehr wie als Autler. Das schafft einige Verpflichtungen (vor allem: Vorhersehbares Verhalten!), aber auch einige Rechte. Das zaghafte, aengstliche Herumwackeln der meisten Alltagsradler scheint mir eher kontraproduktiv zu sein.
Geschrieben von hEkker
in Stadtradln
am
Freitag, 2. Februar 2007 22:42
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Dienstag, 27. Juli 2010Zeitfahrdatenverwursteln++, noch einmal
Soda, ein paar Stuendchen hatte ich noch uebrig fuer den 3. Teil der Zeitfahrverwurstelung. Muss sein. Weil ich draufgekommen bin, auf Trainingpeaks tun sie veroeffentlichen die Rohdaten von Chris Anker Sorensen beim Zeitfahren. Der ist doch sicher interessant! 1. 20. geworden, also nicht schlecht, 2. als 101. gestartet, also gerade beim gestern angesprochenen Umschwung. Da duerfte der Wind angefangen haben. In Relation zu den spaeter gestarteten GC-Favoriten sieht er aber erstaunlich gleichmaessig aus:
![]() Neues, viel cooleres, Diagramm fuer die Durchschnittsgeschwindigkeiten. Sorensen ist # 17. Durchgezogene Linie: Durchschnitt seit Start, gepunktet: Durchschnitt fuer den jeweiligen Abschnitt. Andere Startnummern: #1 Contador, #11 Schleck, #101 VdBroek, #181 Sanchez, #191 Menchov, #195 Gesink Also schauen wir uns mal seine Leistungsdaten genauer an, wenn sie schon da sind. Naja, das war dann gar net so einfach - das WKO-File ist irgendein raeudiges Binaer-Format. Ein frisch angelegter testhase fuers Webinterface von Trainingpeaks hat dann auch nur herausgefunden, dass das Flash fuer die Fisch ist. Man kann ein paar bunte Linien machen, aber nix exportieren. WKO+ ist nur fuer Windosen. Zum Glueck gibt's Open Source, naemlich wko2csv, ein schon laenger nicht mehr gewartetes Sourceforge-Projekt. Das erkannte zuerst den Versions-String net im File, ein wenig C++-Hack spaeter war die Nuss dann geknackt, und ein CSV-Dump da. Der musste noch beschnitten werden, weil Ein- und Ausrollen auch aufgezeichnet. Etwas geraten, aber es wird wohl hinkommen. Allerdings: Mit Zeit, Watt, Kadenz, Geschwindigkeit, Hoehe, Temperatur. Was? Keine Distanz? Vielleicht doch Binaerformat noch inkompatibel, aber was soll's: Wir haben eine Zeile fuer jede Sekunde, und da steht die aktuelle Geschwindigkeit drin. Also schnell im R: Neue Spalte, mit Summe aus vorheriger Zeile + aktuelle Geschwindigkeit/3.6 (dann hamma m/s). Summiert sich auf 51800 m, knapp genug an 52 km dran, passt mir. Zuerst mach ma das, was man in R immer macht: plot(sorensen$Speed ~ sorensen$Power), einfach, damit man mal ein Gefuehl fuer die Daten kriegt: ![]() Scatterplot Leistung vs. Geschwindigkeit. Keine Korrelation. Schauen wir nochmals. Zuerst die Daten nach Distanz in Sektionen partitionieren, und dann nur Sektion 1 und 2 malen: ![]() Scatterplot Leistung vs. Geschwindigkeit fuer Abschnitt 1 und 2. Wer sieht was? Naja. Das Auge meint, dass da nix linear ist. Man sieht hoechstens, dass er immer brav zwischen 40 und 55 gefahren ist und dabei 300 bis 450 Watt erstrampeln musste. Tatsaechlich, Korrelationskoeffizient ist raeudigste -0.07 (sollte nah an -1 oder 1 sein fuer negative bzw. positive Korrelation), das heisst: Staerker Treten nicht automatisch schneller. Klar, Wind und, oha! Steigungen. Wir haben ja die Hoehen angegeben: ![]() Hoehendiagramm, eingefaerbelt nach Abschnitten. Abschnitt 2 leider nicht huegeliger als 1, ganz im Gegentum. Sieht aber auch nicht wirklich aus nach einer Begruendung, warum 2. Abschnitt langsamer als die anderen. Au contraire, tut man die positiven Hoehenaenderungen aufsummieren (mit etwas R-Magie in 2 Zeilen gemacht!), kommt man fuer Abschnitt 1 auf 50 der insgesamt 150 Hoehenmeter, Abschnitt 2 hat gar nur 35. Abschnitt 3 hat genauso viel auf der halben Strecke! Hmpf. Naja, lustiges Zwischenintermezzo: ![]() Scatterplot Geschwindigkeit vs. Watt, eingefaerbelt nach Steigung (blau: rauf, rot: runter). Schoene Trennung, und keine Ueberraschung: Bergauf tritt es sich anstrengender. Bergauf muss man staerker treten und ist trotzdem langsamer! Wahnsinn, was einen die fortgeschrittene Datenmassage fuer arge Erkenntnisse liefern kann. Man koennte da noch Clustering betreiben, oder aus Geschwindigkeit, Watten, Kadenz und Steigung ausrechnen, mit welcher Uebersetzung er vielleicht gefahren ist, aber ich zu bloed, Zeit zu knapp und eh uninteressant. War Abschnitt 2 jetzt wirklich anstrengender? Vielleicht kommen wir ueber die Verteilung der Watte, aufgeschluesselt nach Abschnitt drauf: ![]() Verteilung der Watte auf den einzelnen Abschnitten. Naja, sieht man nix wirklich. Vielleicht doch densityplot? Hmpf. Abschnitt 3 und 4 sind ja viel kuerzer, daher weniger Datenpunkte, daher Kurve niedriger. Also doch density-Plot, der tut (hoffe ich!) nach Anzahl der Datenpunkte normalisieren und Wahrscheinlichkeiten angeben, dass ein Datenpunkt in einen Slot faellt: ![]() Density-Plot der Leistung in den verschiedenen Abschnitten: Abschnitt 2 ist sogar nach links verschoben, scheint also weniger anstrengend gewesen zu sein! Whoa. Abschnitt 2 ist weiter links als 1, und damit eigentlich sogar weniger anstrengend! 4 ist erwartungsgemaess viel weiter rechts, da wird nochmals ordentlich angedrueckt. Man koennte jetzt noch Masszahlen fuer Skew und Breite angeben. Koennte man. Haette man die muehsam massierten Daten noch. Weil einmal zu bloed gespielt, und ich hab geglaubt, ich lasse R jetzt nur ein paar Tausend Datenpunkte aufsummieren nach Abschnitten, aber irgendwas lief da schief. Jedenfalls bliess sich der Prozess auf ein paar GB Speicher auf, bevor er explodierte. Und Zwischenspeichern ist ja fuer Deppen, die nicht wissen, was sie tun. Mpf. Man muss schon sagen, R.app fuer OS X ist zwar fein, aber ein wenig mit der heissen Nadel gestrickt. Den richtigen Moment verpasst, und der Stop-Knopf funktioniert nimmer, dann muss man der aktuellen Berechnung ihren Lauf lassen. So ein eigener Thread fuer GUI-Aktionen, den sollte man sich doch leisten koennen. Aber, hat eh was gutes: Ein ungeloestes Raetsel, das die Forschung noch Jahrzehnte beschaeftigen wird, und ich kann mich endlich wieder um sowas aehnliches wie Leben kuemmern. Ich schliesse: Vielleicht ist es ja Absicht - schnell starten, dann normalisieren auf hohem Niveau und gegen Ende dann die letzten Reserven zusaetzlich verbrennen. Und aus. Montag, 26. Juli 2010Zeitfahrdatenverwursteln++
Irgendwie hab ich mir gedacht, dass das angesprochene Phaenomen des langsameren 2. Abschnitts nicht in Ruhe laesst. Also:
![]() Differenz der Durchschnittsgeschwindigkeiten Abschnitt 2 zu Abschnitt 1. Spaeterer Start: Langsamerer 2. Abschnitt. Zur Erhoehung des Schwierigkeitsgrades: Punkte fuer Fahrer eingefaerbt nach Finish-Zeit ([s]). Es ist denn tatsaechlich so, dass spaeter startende Leute den 2. Abschnitt langsamer fuhren als den 1. Auch ein t-Test ergibt da signifikante Unterschiede (p<10-8). Im Prinzip kann man sagen, dass bis Startnummer 48 der 2. Abschnitt im Schnitt schneller als der 1. gefahren wurde, nachher langsamer (49 % Wahrscheinlichkeit vs. 16 %). Von den letzten 55 Startern war ueberhaupt nur mehr einer schneller im 2. als im 1., und das war Mario Aerts (#102). Eine lineare Regression (R2 von nur 0,33) ergibt, dass man ab Startnummer 38 langsamer gefahren ist. Der Unterschied in den Durchschnitten der Durchschnittsgeschwindigkeitsdifferenzen (hrhr) fiele sogar deutlicher aus, wenn's nicht vorher Kristjan Koren (#43) gegeben haette, der ein wenig gebummelt hat. ![]() Durchschnittliche Aenderung der Durchschnittsgeschwindigkeit (Kopfweh?) aller Fahrer vorher (obere) und nachher (untere Grenze). Zum Spass habe ich noch die Grafik mit den ersten drei der Etappe um die zwei Ausreisser erweitert: ![]() Grafik erweitert um Mario Aerts und Kristjan Koren Nur, damit man die Klassen-Unterschiede ein wenig deutlicher sieht. Zeitfahrdatenverwursteln
Die Tour ist aus. Wieder 11 Monate emotionales Vakuum, das irgendwie ueberbrueckt werden muss, behelfsmaessig gekittet mit belanglosen Sachen, wie Leben. Naja, ein wenig kann man es hinauszoegern, indem man noch einmal ein wenig seziert.
Zeitfahren ist zwar zum Zuschauen echt wirklich unendlich oed, so nicht gerade herumgemenchovt wird, aber dafuer gibt's Daten! Heuer war es ja ein bisserl spannender, weil Andy Schleck, eigentlich der schlechtere Zeitfahrer, von seinen 8 Sekunden Rueckstand im GC auf Alberto beim ersten Checkpoint auf einmal 2 Sekunden gut gemacht hatte. 6 kurze Sekuendchen haben da noch gefehlt! Ein paar Stunden davor hatten die beiden Favoriten fuer den Etappensieg ein endliches Duell: Tony Martin fuehrte beim 1. Check mit 9 Sekunden auf den eigentlich viel besseren Fabian Cancellara. Fuer beide drehte sich aber das Schicksal dann, und im Ziel lag Alberto vor Andy und Fabian vor Tony. Ganz wichtig beim Zeitfahren ist angeblich das Pacing, also nicht am Anfang auf Anschlag und dann am Zahnfleisch ins Ziel kriechen. Aber auch locker dahindodeln, weil sonst zu viel verloren, holt man nimmermehr auf. Und weil es auf letour.fr alle Splits praktischerweise zum Copy & Paste im praktischen Tabulator-separierten Format gibt, und ich eh schon lang nix mehr mit R gemacht habe, schauen wir uns das einmal an. Frischerhands in R geladen, ein wenig herummassiert und dann mit ggplot2 ein paar einfache Bildchen gemalt. Anstatt da mit Sekunden rumzupfuschen, dachte ich, schauen wir uns an, wie sich die Durchgeschnittsgeschwindigkeiten auf Abschnitt 1 (km 0 bis km 18,2), Abschnitt 2 (km 18,2 bis 36,2), Abschnitt 3 (km 36,2 bis 45,4) und 4 (45,4 bis Ziel bei km 52,0) entwickelt haben, und zwar nur im jeweiligen Abschnitt. Man beachte: 3 und 4 sind nur ca. halb so lang wie 1 und 2. Zuerst die 3 besten auf dieser Etappe: Die sind recht frueh gestartet, weil die in den Bergen recht viel Zeit liegengelassen haben und dementsprechend weit hinten im GC sind. Grabsch war ueberhaupt die Rote Laterne, als 27. startete Martin, und dann noch als 39. Fabiaaaan. ![]() Durchschnittsgeschwindigkeiten der ersten 3 auf der Etappe von Start zu Check 1, Check 1 zu Check 2, 2 zu 3 und 3 zu Ziel. Gepunktete Linie: Gesamt-Schnitt. Schluessel: Fabiaaaan #13, Martin #115, Grabsch #113 (ich war zu faul, noch die Namen in die Legende einzubauen). Grabsch hat relativ langsam angefangen, und sich erst spaeter richtig gesteigert. Allerdings insgesamt einfach zu langsam - im Ziel fast 2 Minuten Rueckstand. Ein wenig besser sieht's bei Martin aus - der hatte allerdings einen seltsamen Einbruch auf Abschnitt 2. Abschnitt 3 war er genauso schnell wie Fabian, zum Schluss beschleunigte er zwar nochmals, aber alles nix gegen den Schweizer Zeitfahr-Weltmeister. Der hat fast gemuetlich angefangen (50er-Schnitt, pah), und dann kontinuierlich gesteigert. Auf den letzten 8 km legte er noch einen Schnitt von 54,3 km/h hin. Unglaublich - er hatte allerdings auch den Vorteil, dass er die Zeiten von Martin schon kannte und genau wusste, wie schnell er fahren musste. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon von Abschnitt 2 genug Vorsprung, konnte sich also noch etwas "ausruhen", um am letzten Stueckerl so richtig die Sau rauszulassen. ![]() Durchschnittsgeschwindigkeiten der ersten 6 im GC von Start zu Check 1, Check 1 zu Check 2, 2 zu 3 und 3 zu Ziel. Gepunktete Linie: Gesamt-Schnitt. Bei den Klassement-Fahrern sah's ganz anders aus. Der Schnitt liegt weit darunter - lt. Fernsehkastl hat am Nachmittag ein richtig boeser Wind zu wehen begonnen. Bei allen sieht man den Einbruch auf Abschnitt 2, der duerfte besonders windanfaellig gewesen sein. Interessant waer, das genauer anzuschauen - nur 25 % aller 170 Leute fuhren auf Stueck 2 schneller als auf 1, aber ich hab noch nicht gelugt, ob das mit der Startreihenfolge korreliert. Anekdotisch: Auch bei Martin sieht man den Einbruch, also kann's nicht der Wind (allein) gewesen sein. Menchov (#191) war eindeutig der schnellste, Gesink (#195) der schneckigste. Spannend wird's im Vergleich der Gruenen mit der Orangen und Gelben Linie (#1: Alberto, #11: Andy, #181: Samuel Sanchez, ehemaligst 3. im Klassement, von Menchov eingestampft). Andy startete, wie gesagt, sehr schnell und lag vor Contador beim 1. Check. Aber er hat wohl ziemlich ueberdreht - die Abstaende zur gruenen Contador-Linie werden immer hoeher, er steigerte sich zwar wieder, aber bei weitem nicht im selben Ausmass wie Contador. Sanchez dagegen startete langsamer, lag dann fast ex-aequo (aber immer noch hinten), drehte dann voll auf und brach dafuer auf Abschnitt 4 etwas ein (im Vergleich zu Contador - er fuhr schon noch schneller als am 3.). Alberto selbst scheint sich auf den letzten 8 km die Seele aus dem Leib gefahren zu haben. Van den Broek dagegen bestes Beispiel fuer wie man's auch net macht: Entweder er hatte besonders boesen Wind auf den 2. 18 km, oder er hat sich auf dem ersten Stueckerl so vorausgabt, dass nix mehr uebrig war (immerhin war er schneller als Sanchez). Jedenfalls hat er dann nochmals voll reingenusst, und ist die letzten 8 km sogar schneller gewesen als Schleck, aber insgesamt war's dann trotzdem nur die 5.schnellste Zeit der 6 GC-Fahrer. So, und jetzt noch die Aenderung der Durchschnittsgeschwindigkeiten von Abschnitt 1 auf 2, 2 auf 3 und 3 auf 4, weil auch recht interessant (raeusper): ![]() Differenzen der Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen Check 1+2, 2+3 und 3+4. Van den Broek hat ordentlich beschleunigt. Das ist quasi die Masszahl fuer die Saurauslassung auf dem jeweiligen Abschnitt. VdBroek hatte seine Schweine tief in der Geheimgrube unterm Stall vergraben, aber dann trieb er die Schinkenspender quasi mit Fackel und Sense hinaus, dass es nur so quiekte. Von fast -3 km/h auf +3 km/h, und damit hat er sich anscheinend wirklich zu viele Koerndln aufgehoben gehabt. Wie schon angekuendigt, Fabian war der einzige, der auf Punkt 1 schon seine Grunzviechergatter geoeffnet hatte. Dass er sich von diesem hohen Niveau noch einmal am 2.meisten steigern konnte, spricht dann fuer einen eingebauten Motor, der magischerweise ohne Batterie und Laufgeraeusch funktioniert (bitte ankreuzen, wenn man italienischer Journalist ist) oder dafuer, dass er einfach der beste Zeitfahrer ist, im Moment (Drogen nehmen sie eh alle dieselben). Andy dagegen (#11, fuer die Kurzzeitgedaechtnisbeeintraechtigten) schien schon am Anfang ziemlich auf Anschlag gewesen zu sein - die geringsten Steigerungen von allen, und damit auch insgesamt eher nicht so gut abgeschnitten. Denis "The Pope" Menchov (sehr lustig: von Eurosport verliehener Boxer-Name, weil er immer den Boden kuesst) ist uebrigens der einzige, der zum Schluss deutlich weniger beschleunigen konnte als von 2 auf 3. Vielleicht wusste er aber auch schon, dass er mehr als genug Polster auf Sanchez hatte und ist deswegen nicht ganz auf Druck geradelt. Soda, genug generdet. Wer bis hierher gelesen hat: Wie fad kann einem eigentlich sein?! Dienstag, 8. Juni 2010Radkurier-Escort-Service
Was macht man denn, wenn man ein Blog so lang alleingelassen hat, bis auch der letzte Leser traurig von dannen gezogen ist? Halbherzige Entschuldigungen erfinden! Zum Beispiel: Das Leben, das zache, das oede, hielt die Musen fern, und ungekuesst schreibt es sich nur halb so gut. Weil ohne zuendende Idee bleibt nur der Sinn und Zweck, und sinnvolle und zweckdienliche Artikel zum Thema Radfahren gibt es mittlerweile im Stundentakt allerblogs und sogar in den Hauptstrom-Medien. Aber noch etwas kann er machen, der uninspirierte Blogger: Eine Reportage! Voll hinein in die Materie und ohne Ruecksicht auf Leib und Leben knallhart von der vordersten Front berichten, wie es seit Kisch und Wallraff keiner mehr gemacht hat! Und so, man kann es sich nicht vorstellen, war ich uebergluecklich, als ich vom Programm fuer Embedded Journalists erfuhr, das der coolste Radkurierservice von Wien angeboten hatte.
![]() Das dreistufige Bewerbungsverfahren war kein Problem, dank meiner langjaehrigen Raderfahrung, meiner umfangreichen Werkmappe und sexuellen Gefaelligkeiten fuer die Kommission. Dann noch das einmonatige Trainingslager (hauptsaechlich ging es darum, angemessen coole Radkleidung einzukaufen und die Kuriertasche richtig ueber die Schulter zu schwingen), insgesamt 2000 Seiten Haftungsausschlussvertragswerke unterschreiben und dann die zweistuendige Abschlusspruefung ueber korrekte Beschimpfung von Taxlern und anderem Gewuerm. Schliesslich war es soweit: Freitag, 13:30, durfte ich, ganz ohne Stuetzraeder und Airbags, Radkurier M. bei seiner Schicht begleiten. Was sagte die Sonne? Sie lachte und meinte: Fahr! Heute wirst du nicht nass. Und der Wind, er blies aus vollen Pausbacken durch die Gassen. Ganz unaufgeregt-objektiv distanziert stand ich vorm Buero zur ausgemachten Uhrzeit, ausgestattet mit Singlespeed-Rad, Radhose schamhaft unter der kurzen Hose versteckt, Oberbekleidung Marke Swobo, das coolste halt, was San Francisco zum Thema Radmode zu bieten hat. Da kam er auch schon, der Herr Kurier, der Held der Strassen, der letzte urbane Abenteurer, die Verkoerperung der Geschwindigkeit, der Anarchie und sowieso ueberhaupt von allem, was uns Buerohengste und -stuten so lahm macht. In die Koenigseggstrasse sollte es gehen, dort was aufklauben und beim P&C in der Mariahilfer wieder abladen. Hoerte sich gut an. 5 Minuten spaeter, erster Verstoss gegen die StVO (gegen die Einbahn). Packerl einsammeln, ein paar Meter fahren und hui, schon wusste ich, warum ich so eingehend geprueft wurde: Ein Taxler goutierte meine Rechtsvorbeifahrung nicht (zu diesem Zeitpunkt StVO-Verstoss # 32, wenn ich richtig mitgezaehlt hatte). Er goutierte es sogar so nicht, dass er mit seinen Fahrgaesten neben mir her fuhr und aus dem offenen Fenster rauskeppelte. Mit uns abbog und weiterkeppelte und hupte. Zum Glueck konnte ich aus dem vollen Repertoire schoepfen und neben Trottel, Saugesicht und Pudel di net auf, Hustinettenbaer auch noch schaerfere Toene ins Fenster reinschreien. Erste Fuhre erledigt, und ich dachte, das wuerde jetzt so weitergehen. Aber nein, Burggasse zum Aufklauben und dann gefuehlte 60 km und 2000 Hoehenmeter nach Favoriten zur Anker-Fabrik. Angefangen hat es gut: Die Heroes der Zweierlinie und des Getreidemarkts! Wie die geoelten Kugelblitze flitzten wir bis zum Schwarzenbergplatz, zwischen Autos und Radlern und Bussen und Lastwagen und allen durch, aber dann geht's ja bekanntlich bergauf. Schnauf. Schnauf. Aufgrund des Blackouts weiss ich jetzt nimmer so genau, was dann passierte, auf jeden Fall waren wir auf einmal bei der nicht uninteressanten Ankerfabrik, wenn man auf Industriearchitektur steht. Leider konnte ich nicht viel fotografieren, weil auf Rad von M. aufpassen (der es sehr fein fand, dass er nicht staendig ab- und aufsperren musste) und generell eher ueber Kreuz schauend mit sauerstoffleerem Gehirn. Nach der Ankerfabrik: Sense, nischt. Per Handy: Hallo, M., bin frei beim Anker. Rueckmeldung: Warten beim Suedbahnhof. Wir eher Belvedere, weil so ein anarchischer Radkurierheld laesst sich ja keine Vorschriften machen. Dort dachte ich mir: Eigentlich eh nicht schlecht, so ein Kurierleben. In der Sonne rumschlunzen, Touristen anschauen. Dann reden wir ueber SVA und Aerztekammer und eigentlich doch eher ein Schas, das Radkurierleben. Weil einmal praktischer Arzt, 2 Stunden Lohn gaga. Aber schliesslich: Bimmel, Fuhre. Auf zum Tonstudiokollektiv Marx in der Arbeitergasse. Die sind so cool dort, da gibt's sogar einen eigenen Haken an der Mauer neben der Tuer fuer Radkuriere, wo man Radl ansperren kann. Einladen, weiter in den Zweiten, aber halt! Kurz noch eine andere Fuhre dazwischen, wieder Graphikdesignerstudioscheiss in einem Innenhofbuero im 5. abholen und an der Schoenbrunnerstrasse bei Filmproduktionsstudioscheiss wieder rauswerfen. Und dann auf zum ATV: Auf der Wienzeile: 1000 Autos parken mit laufendem Motor herum, das einzige, was sich bewegt: Ein Radkurier und ein verzweifelt strampelnder Escortservicemann, der probiert, halbwegs mitzukommen. Am Ring dann: Palaestinenserprotest, freie Fahrt auf der Fahrbahn fuer uns bis zur Absperrung! Dann uebern Kanal, und waehrend ich verschwitzt schnaufend vorm ATV warte, kommt grad so eine 1,85m-Frau mit Haarschnitt fuer 300 Euro raus. Oh Glamour! ![]() Dann noch Herminengasse, ebenfalls 2., hier fuehre ich durch die Einbahnen und verwinkelten Wege, ganz stolz auch was beitragen zu koennen (ob die eingebetteten Irakjournalisten auch ab und zu eine Granate in Menschenmengen werfen, nur damit sie nicht immer nur dumm rumstehen, waehrend die richtigen Maenner ihre Arbeit machen?). Dann wieder: Tothose. Laut M.: Atypischer Tag. Weil normalerweise hast du da zwei, drei Ladungen gleichzeitig drin, schupfst hoffentlich die richtige raus am richtigen Ort und kannst net mal aufs Klo gehen. Und dann noch die ORF-Fahrten zum Kueniglberg, und dann noch die furchtbaren Bezirke 23, 22 und 21. Aber halt Zwickltag und Freitag nachmittag, da ist ab 3, 4 immer weniger. ![]() Wir schluerfen ein Kaffeetscherl am Karmelitermarkt und radeln am Donaukanal auf und ab, aber dann: Bimmel! Und ab geht's. Mir brechen fast die Beine, weil ganz schlimm: Rumsitzen, Muskeln kuehlen aus, man raucht die eine oder andere, und dann auf einmal von 0 auf 180 losrasen, dass die Kette kracht. Durch den 1., links und rechts vorbei an Touristen, Taxis und anderen Trotteln, durch den 9., da geht's schon hinauf, und dann, urpeinlich, muss ich das Hinterrad vom M. davonlassen und er schafft wegen mir Wuerstel eine Ampelphase nicht. Aber dann sind wir eh im 17., beim Dorfilm, M. laedt ein, ich steh draussen herum und warte darauf, dass ich mir wieder vorstellen kann, wie man so schwierige Aufgaben wie 1 + 1 zusammenzaehlen irgendwie angehen koennte. Auf zur Mariahilferstrasse, abladen und dann wieder Downtime, diesmal ins Buero beordert. Dort ist auch nicht viel los, aber W. kommt vorbei, weil er unsere Raeder draussen gesehen hat und das nutze ich als Ausrede, um meine Schicht um 17:00 zu beenden. Nicht ohne, so ein Radkuriertag! Auch wenn's nicht einmal ein halber war, aber meine Haxen taten weh, und ein Essen oder zwei waren auch schon dringend notwendig. Jetzt waer Zeit fuer das Gedankenvolle Fazit, fuer Lehren, die der Schreibende gezogen hat, fuer Einsichten, die Leserlebenswelten fuer immer veraendern. Aber nein! Hier nur kurz: Erstens: Fuer das bisserl Stundenlohngeld muss man ordentlich arbeiten. So arg riskant fand ich es nicht - man tut halt nicht immer stehenbleiben wenn rot, aber jetzt auch nicht New-York-Style in den Querverkehr stuermen. Zahlt sich auch net aus, aber staendig Stehenbleiben-Weiterfahren, das zehrt halt doch ordentlich an den Wadeln, also wird halt einfach ueberquert, wenn nix kommt. Die Autofahrers fand ich eigentlich nicht so arg, sogar sehr geduldig und unaufgeregt. Ein paar Mal musste ich halt hinterm Martin herhecheln, wo es sich bei mir halt schon etwas knapper ausging als bei ihm, aber bis auf den einen Taxler, kein Hup, kein Murr, ein wenig bremsen, dann konnten sie ja eh wieder normal weiterkurven. Aber zweitens: Wie zahlt sich das aus? M. kriegt einen - zugegebenermassen eh nicht fuerstlichen - Stundenlohn und hat in 4.5 Stunden 7 Fuhren gemacht. Zu 5, 6 Euro pro Stueck. Ohne die Ton-Film-Graphik-Leute waer gar nix mehr los, und selbst da hab ich den Verdacht, dass die vieles schon per Internetz machen koennten, es sich halt aber noch so gehoert, dass man einen Radkurier losschickt (wirkt auch viel wichtiger und ist viel stilvoller als ein FTP-Upload). Und drittens: Es macht am Abend noch ganz schoen Aua, so ein Radkuriertag. Und wenn nicht gerade die Sonne lacht, sondern man im Winter im fahlen Licht der Strassenlampen bei Regen, Nebel und verspaeteten Pendlern um 8 Uhr frueh durch die Stadt heizen muss fuer kaum ein Geld, dann ist's mit Lustig auch nicht so viel. Soda, das sind jetzt eh schon viel zu viele Woerter fuer so ein bissi Erlebnis. Aber spassig war's, danke M.! Dienstag, 23. Juni 2009GlobalGutz PicsSonntag, 21. Juni 2009Szene-News
Es ist wieder angerichtet:
http://kurier.at/interaktiv/blog/radlergeschichten/1917431.php Wor saugeil, ois beide! PS: Kurier kaun net moi Trackbacks. WTF? Sonntag, 7. Juni 2009Beziehungsstudien @ kurier
In 15 Minuten zusammengetippt:
http://www.kurier.at/interaktiv/blog/radlergeschichten/324768.php Mal gespannt, wie lang man das Thema noch melken kann. Dienstag, 16. September 2008Huch!
Wahnsinn, das arme Blog hier ist ganz staubig und verrostet. Beim Aufruf des Eintrageintippformulars konnte ich es direkt knarren und aechzen hoeren, als es sich der Server aus der mueden Festplatte sog und, ich schwoere, ganz viele empoerte Spinnen krabbelten kurz ueber den Bildschirm ins rettende Dunkel.
Mit einem vernachlaessigten Blog ist es ja so wie mit alten Bekannten, die man schon lang nimmer angerufen hat. Man nimmt es sich immer vor, es vergeht immer mehr Zeit, und wenn die URL im Adressleisten-Autocomplete zufaellig auftaucht, dann sagt man sich: jetzt aber bald einmal wieder, aber es ist einem dann zu peinlich. Und wenn man sich ueberwunden hat, dann verbringt man unnoetig viele Worte damit, sich zu entschuldigen und zu erklaeren, so wie ich jetzt hier. Also, Ausrede #1: Ich bin ja jetzt in den Kreis der A-Listen-Blogger aufgenommen worden, als die viel zu nette G. in einem kurzen Zusammenbruch der Kritikfaehigkeit der zufaellig mit einem mir sowieso unerklaerlichen Inspirationsschub koinzidierte, mich an den Kurier verzuhaelterte. Mit diesem Statusschub verbundene Verpflichtungen (haupts. Koks & Nutten, mehr darf ich nicht erzaehlen) nagen natuerlich ebenfalls am Zeitkonto. Und nein, ich lasse mir diese Aussrede nicht von der Tatsache verderben, dass mir eh die meiste Zeit ueber fad ist. So, viele Worte, aber was gibt's wirklich bloggenswertes? B. hat eben ganz nett von einem globalen Abziehbild des Fixiefahrers gesprochen. Das hat mich an die tausendmillionen Stahlrahmenrennradfahrer in Zuerich erinnert (mehr als hier, auch einige wirklich feine Radgeschaefte), und daran, dass ich heute mein Spiegelbild im Vorlaufstrassen-Edelbobotempelspar gesehen habe. Es gab einen peinlichen Moment, als wir uns an nebeneinanderstehenden Verkehrszeichen beim An- respektive Abschnallen unserer italienischer Stahlrahmenrenner bemerkten, die Kuriertasche des anderen sahen, das Maokapperl nach oben schoben und kurz, so wie's die Dramaturgie vorschreibt, grimmassenschneidend herauszufinden versuchten, ob da nicht tatsaechlich ein Spiegel da ist. Nein, war er nicht, und ich dampfte frustriert ab. Naja, wenigstens hatten sowohl Rad als auch Kuriertasche unterschiedliche Farben, und ausserdem hat er sich sicher nicht die Pepperidge Farm Double Chocolate Chunk Cookies gekauft, sondern die mit Macadamia-Nuessen (obwohl die auch nicht schlecht sind). Ist doch oed, wenn man seine Uneinzigartigkeit so brutal vor Augen gefuehrt bekommt. A pros pos, Vorlaufstrassen-Edelbobotempelspar. Zu besseren Zeiten mit besserem Wetter wurde ich da von einer nicht unhuebschen Radfahrerin recht freundlich & froehlich angelabert, was ich in meiner unnachahmlich-schlagfertigen Art natuerlich mit einem Haha. Aeh. Ja. Tja. beantwortete, bevor ich mich dann drin hinter der Katzenfutterpyramide versteckte und aengstlich hervorlugte, ob sie eh schon weg ist. Seit kurzem geh ich da jetzt jeden Tag um die selbe Zeit hin und schaue, ob sie wieder da ist, weil letzte Woche ist mir eine Antwort eingefallen. Und weiter geht's im unkontrollierten Gedankenstrom. Wer Copenhagen Cycle Chic noch nicht kennt, dem seien die taeglichen Fotos von stylischen Menschen mit Stoeckelschuhen, Handtaschen, Wollmantel und Regenschirmen auf 25kg-Raedern mit Kotfluegel und Klingel ans Herz gelegt, quasi als Erholung vom verschwitzen Fixie-Messenger-Einheitslook, der sich eh immer breiter macht. Hat irgendwie was. Jedenfalls muesste man ein Vienna Cycle Chic-Konkurrenzprodukt noch verschaemt hinter vorgehaltener Hand verstecken, wenn man die gestern gesichtete Radlerin als repraesentativ fuer diese Clique annimmt. Das mit den Stiefletten hat schon gepasst, aber die Edeljeans in die Socken stecken, das war dann doch nix. Aber das Wetter ist ja schon eher nicht so toll, muss ich anmerken. Wie leergefegt sind Donaukanal & Ringradweg, und ich bereue all die grossen Worte ein wenig, die ich so grosszuegig ueber die vielen, vielen Neoradler heuer ergossen habe. Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Ausruestung, my ass. Dass man von aussen nicht nass wird, heisst noch lange net, dass es Spass macht. Zumindest nicht das Aufsteigen und Losfahren. Wenn man dann unterwegs ist, geht's eh. Es wird recht mollig warm unter den vielen Schichten, durch den Regen zu strampeln als einziger harter Knochen unter lauter Luschen gibt auch einen Motivationsschub. Viel mehr Autoverkehr bei Schlechtwetter (oder bild' ich mir das nur ein?) bedeutet an endlosen Kolonnen vorbeizucruisen und sich gut fuehlen dabei. Schneefahrten koennen sogar richtig lustig werden. Ich will jetzt aber nicht zu viele ermutigen, das ganze Jahr durchzufahren, wenigstens ein paar Wochen lang will ich die Radwege fuer mich allein haben, danke. So, das waren nur ein paar Schnippsel, die ich da gach hinwerfen konnte. Ich weiss echt nicht, wie es hier weitergehen soll. Aus dem ohnehin nur spaerlich tropfenden weil total verkalkten Inspirationshahn kann ich kaum ein einziges kleines Kaesebloegchen fuellen, geschweige denn zwei anspruchsvolle hochgeistige Publikationen wie Baumtraenzer und die Radlergeschichten (jaja). Vielleicht sollte ich die persoenlichen Betrachtungen, Selbstbezichtigungen & Publikumsbespassungen hier lassen, und im Kurier als Professor Dr. Hekker, amtlich beeideter Experte fuer sowieso alles Zweiraedrige die ungewaschenen Massen belehren? Oder hier quasi die Ideen gaeren lassen, um sie dann in ihrer endgueltigen glanzvoller Pracht einer staunenden, breiten kurierlesenden Oeffentlichkeit zu praesentieren? (Ich bin mir ja nicht zu schade, Sachen zwei- oder mehrmals zu verwenden. Erst Teern und Federn und aus der Stadt gejagt werden sind fuer mich untruegliche Zeichen, dass der Witz jetzt wirklich ein wenig angeschimmelt ist). Es wird sich weisen. Jetzt ist naemlich die Badewanne voll, und ich muss aufhoeren. Samstag, 16. August 2008Ein viel zu langer Bericht
Wer brav mitgelesen hat, kennt eh das meiste schon.
Das spannendste am Radreisen ist natürlich: Wird es in einem Stück ankommen? Der kritische Punkt tritt schon dann ein, wenn man am Gepäckskarussell auf die sorgsam geschnürte Schachtel mit dem einen essentiellen Bestandteil des Urlaubs wartet. Horrorgeschichten kursieren in diversen Foren, kaputte Felgen, verbogene Schaltungen, gebrochene Rahmen gar, und ich war etwas nervös. Zum Glück konnte ich die Aufregung mit 2 anderen teilen, die ebenfalls auf ihre Räder warteten und die Anspannung mit halblustigen Scherzchen zu zerstreuen suchten. Erst im Flugzeug ist mir übrigens klar geworden, was ich da vorhabe. Irgendwie seltsam: 2 Stunden Flug von Wien nach Nizza entsprechen 2 Wochen strampeln von Nizza nach Wien. Vor dem Fenster breitete sich der Alpenbogen in seiner ganzen Gewaltigkeit aus, und ich stellte mir einen kleinen Radler vor, der da irgendwo drin herumkurvt. Ist schon seltsam, wie unterschiedlich gross man sich die Welt machen kann. 20 km in 2 Minuten, oder in einer Stunde, je nach dem. Oder gar noch länger, aber wieviel länger, das ahnte ich noch nicht wirklich. Morgentrott: Wecker abschalten, mit gerunzelter Stirn am Radlgewand schnüffeln, reinschlüpfen, Frühstücken so viel wie reingeht, alles wieder in Müllsäcke verpacken (könnte ja regnen) und halbwegs gewichtsgleichverteilt in die Packtaschen stopfen, Kontrollblick, zahlen, aufs Rad schwingen und bei km 0,0 anfangen. Seufz... 0,01 0,02 ... 0,1 ... 1,0 - zach! Wenn man noch 120 km vor sich hat. Aber es macht gar nix, wenn die ersten Kilometer so spektakulär sind, wie von Levens hinunter ins Tal. Bei jeder Kehre könnte man stehenbleiben und Fotos schießen. Dann folgt das gemeine Wurstbrot des Radfahrens, nach dem gestrigen Tramezzini - ein Tal, leicht bergauf, Hauptverkehrsstrasse. Da geht's nur darum, Kilometer um Kilometer wegzustrampeln. Aber keine Sorge, bald wird das Tal enger, ich biege auf eine kleinere Strasse ab und außerdem sind die Franzosen sehr rücksichtsvoll - wenn einer hupt, dann um nachher Allez, Allez zu rufen und zu winken nachher. Seitenabstand wird eingehalten, bei Gegenverkehr fahren sie die paar Meter hinter dir her. Außerdem treffe ich einen anderen Radler, wir fahren kurz im Verband, dann überholen uns von hinten 2 Typen in Profimontur und wir hängen uns an die. Mit 30, 35 geht's dahin, aber beim ersten Anstieg zeigen sich leichte Klassenunterschiede: Der 1. Profi zieht in gewaltigem Tempo bergauf davon, als ob der Berg nicht existieren würde, der 2. fährt gleichmäßig hinterher, ich schnaufe und keuche, um an ihm dranzubleiben, unser Mitreisender wünscht Bon Voyage und verschwindet nach hinten. Gipfelzigarette. Unterwegs noch kurz in die Sonne setzen und ein Cola trinken. Dann endgültig bergab. Ein paar Hotels, aha, ein paar Pensionen, soso. Mal fragen: Nix gibt’s, voll. Hm. Wochenende ist halt auch. Ich rolle etwas durch die sehr nette Stadt und finde eine Touristeninfo. Dort schicken sie mich zu einem Hotel und noch zu einem 2. Dort fragen. Ich fahre hin: Nix, hohles Lachen. Schon seit gestern ausgebucht. Ein wenig herumfahren, nirgendswo ein Platz. 10 km weiter bis Barcelonette, angeblich größer, angeblich mit freien Hotels. Nicht so laut Touristeninfo. Davor drei Deutsche mit Rad, ein Pärchen, die sich ins Fäustchen lachen, weil sie ihr Zelt dabei haben, einer, den ich schon vom Bonette kenne, der ebenfalls auf Bettsuche ist. Wir beschließen, weiter talauswärts zu radeln, aber da steht ein Hüttchen mit Zimmervermittlung auf dem Weg aus der Stadt. Hinein, und eine total bemühte und nette Frau kümmert sich um uns. In Pra Loup gäb’s noch Zimmer, aber das ist eine Skistation nochmals 10 km weit weg – bergauf. Wir knicken ein. Nehmen wir, und wo gibt’s da ein Taxi? Die etwas überdrehte Taxifahrerin wirft resolut unsere Räder in den Kofferraum und los geht’s. Breiten wir den Mantel des Schweigens über Pra Loup aus, reden wir nicht über das Abendessen im Hotel (nach dem Radfahren gibt es kein schlechtes Essen), erwähnen wir nur den Sonnenuntergang, der die Berge in saftiges Rot tauchte. Und dass der nächste Tag mit einer deftigen Abfahrt begann. Dann wieder hinab ins Tal. Ich komme direkt in Briancon raus, meinem Etappenziel. Leicht verspannt, und das nicht von den überangestrengten Muskeln. Es ist Sonntag, Wochenende ist vorbei, wie wird’s aussehen? Immerhin war’s noch sehr früh, 4 oder so. Ich radle die paar 100 Meter in die Altstadt auf dem Hügel hinauf, schleppe das Rad über die gepflasterten Stufen zum Kirchplatz und treffe dort auf die freundlichste, netteste, hübscheste Touristeninfofrau, die es gibt. Naja, das Hotel, das hier könne sie auch empfehlen, fragen wir mal bei dem nach? Ok. Es wurde das Hotel Edelweiss. Die Abendroutine wird dann nur unterbrochen vom längst fälligen Wäschewaschen. Am Scheideweg entscheide ich mich gegen einen Ausflug ins Piemont, dafür die Dreifaltigkeit der Cols: Lautaret, Galibier, Telegraphe. 3 zum Preis von 1, weil nur auf letzteren ein paar Extrahöhenmeter fällig sind. Zuerst aber der langweilige Lautaret, den man sich sparen sollte, wenn man könnte: Schnurgerade, gleichmäßig steile Strasse mit viel Verkehr. Man kommt auf 2000 m raus, zuerst ein Kaffee, denn es weht ein eiskalter Wind. Dann hinauf zum Galibier auf 2600 m. Hunderte Radler, ein Haufen davon zieht im Wiegetritt an mir vorbei – deprimierend, aber ich tröste mich damit, dass die kein Gepäck hinten drauf haben. Der Galibier macht gleich viel mehr Spaß, in engen Kehren windet sich die Paßstrasse den Hang hinauf. Bei 2 davon laute Allez, Allez-Rufe, ein Fotograf blitzt mich 2, 3 Mal und rennt mir dann nach mit einem Kärtchen. Ich treffe den Deutschen wieder, der aufs neue ziemlich kaputt ist. Sein letzter Pass, wie er meint, den restlichen Weg nach Köln wird er die Berge meiden wie die Pest. Vollkommen unterschätzt hat er die Westalpen. Schmackhaft sind auch die Crepes, wir kosten die halbe Karte durch und haben um 8 wieder genug Hunger für Lasagne. Ich bin trotzdem ziemlich deprimiert. In der Früh hängen die Wolken tief im Tal. Aber es reicht. Mir jucken die Schenkel. Ich packe und schwinge mich aufs Rad – der Simplonpass soll ja nicht so prickelnd sein, aber er ist das Tor zum Tessin für mich. Anfangen tut er nicht schlecht, auf der alten Strasse durch die Dörfer ist es ruhig und angenehm. Durch die Wolken durch hört man nichts, ausser das eigene Keuchen, und die Kette, die trotz Schmierung gestern ominös quietscht, das Tretlager, das noch ominöser knackt. Aber dann muss ich hinaus auf die Hauptverkehrsachse. Lastwagen, Busse, Autos, vor allem hunderte Motorradler. Das nervt, vor allem, weil die schnurgerade Strasse zum Rasen einlädt. In einer Lawinengalerie hupt mich ein Vollkoffer an. Man stelle sich vor, jemand hält einem ein Megafon ans Ohrwaschel und schreit so laut er kann rein – ungefähr so klingt das. Wenn das Ziel war, dass es mich ordentlich reißt und schreckt, ich umfalle und er schön über mich drüberfahren kann, dann hat er es nur knapp verfehlt. Kaum tröstend da die Blicke auf die Gletscher, allen voran der Aletsch-Gletscher, zumal die eh meistens bescheiden in Wolken gehüllt sind. In Locarno ist es dann erst 3 am Nachmittag. Zeit für ein ordentliches Sandwich, natürlich am See genossen. Dann den Seeradweg entlang. In Bellinzona stehen 120 km am Tacho, Zeit für ein Hotel, aber noch ein bisserl rauf hier, Richtung Berge. Auf einer Nebenstrasse fährt es sich gut, aber nach 12 Schildern mit Hotel und Garni an jeder Kreuzung ist deren plötzliche Absenz umso verstörender. Ein Schlafdorf nach dem anderen, nicht einmal ein Wirtshaus gibt’s in den meisten. Ich frage jemanden, die meint nur trocken: Bellinzona, da gäb’s Hotels. Aber lieber 20 km weiter als 10 km zurück! Und dann lande ich in Biasca, wo es nicht nur ein richtig nettes Hotel mit WLAN gibt, sondern auch eine Kirche am Hügel, zu der ich nach einem Beutezug in eine Konditorei hinaufkraxle. Ein schattenspendender Baum, ich vernasche meine Mitbringsel und könnte auf der Stelle einschlafen. Nix da. Kaffee, dann etwas Route recherchieren. Der Entschluss: Lukmanierpass und Oberalppass sollen mich nach Andermatt bringen. Nur den Gotthard, das wär zuwenig, Nufenenpass und Furkapass, das wär zuviel. Man sieht, in der Gegend gibt’s Pässe, da kann man mehrere Schweinezuchten damit versorgen. Disentis begrüsst mich mit geschlossenen Geschäften. Von 12 bis 14 Uhr ist meistens zu, also begnüge ich mich mit einem Packerl Trockenfrüchte für Notfälle und mache mich auf dem Weg via Oberalppass nach Andermatt. Wieder ein schöner Pass, der sich zwar breit anlässt, aber dann schön schmal und kurvig wird. Begleitet die meiste Zeit vom Matterhorn-Gotthard-Express, dem langsamsten Expresszug der Welt. Die Trockenfrüchte geben mir gar nix, ausser Blähungen. Da muss eine Apfelwähe her als Supplement. Dringend. Finde eine, und jetzt gehen auch die letzten paar Höhenmeter bis hinauf auf den Oberalp. Hotels genug, eins wird erwählt. Duschen, herumschlunzen, spazieren gehen (es beginnt zu regnen). Wetterbericht: Schwer unprickelnd. Ganztagsregen für morgen. Ohweh. Trostlasagne, dann noch Kaffee, dann noch ein 2. Abendsnack, alles sehr nett in Andermatt, nur leider klappen sie um 5 die Gehsteige hoch. Kaum noch jemand auf der Strasse. Ich überlege. Naja, bis Zürich sind fast nur Wurstbrotkilometer übrig. Krank fühle ich mich auch ein wenig. Was soll’s. Der Bahnhof ist nicht weit. In Zürich kübelt es wie aus Giesskannen. Die 10 Minuten hinauf zur ETH, wo mich L. schon sehnsüchtig erwartet, weil sie mit mir Mittagessen gehen wollte? Klatschnass! Freitag, 15. August 20081. Abschnitt - vorbei!
Naja. Was soll man sagen. Irgendwie bin ich nicht so gluecklich, weil eigentlich versagt. Aber andererseits? Es war schwer genial. Wirklich. Wenn die 2. Woche dann 1/2 so gut wird, reicht es schon vollkommen.
Die reinen Daten sind ja jetzt nicht so beeindruckend. An 5 Reittagen knapp 600 km und 12700 Hoehenmeter verputzt. Zaehlt man den ersten und den Zugtag dazu, werden es 660 km und 13700 hm, also der Pantani dreht sich jetzt nicht im Grab um vor Angst, dass ich ihm davonfahren wuerde. Vor allem nicht, weil der Schnitt ueber all diese wenigen Kilometer 20 km/h betraegt. Urks. Also wirklich, diese Gegend ist mit nix zu vergleichen, was ich kenne. Meine Standards sind da nicht anwendbar. War reines Glueck, dass ich das ueberhaupt derblasen habe - kein Tag unter 2300 Hoehenmeter, 2 mit mehr als 2700. Ich haette mein persoenliches Maximum irgendwo bei 2000 eingeordnet und hab's vollkommen unterschaetzt, was man da so klettern muss. Aber es geht. Halt langsam. Sehr langsam. 2,5 h auf den Bonnette hinauf, fuer lumpige 26 km! Man kriecht und kriecht und kriecht dahin. Sehr viel Zeit, um die Landschaft zu betrachten, die Bluemchen und die Bienchen, die Kuehe und die Schafe (und sich von den Bremsen beissen zu lassen bis man sie anschreien will: Cherchez la vache, bete infernale!). Man schraubt sich Kehre um Kehre hinauf, sieht, wie sich die Landschaft aendert, faehrt an Wasserfaellen, Bergdoerfern, Waelder und Wiesen vorbei, ueberschreitet die Baumgrenze... Um dann auf der anderen Seite im Zeitraffer dasselbe nochmals zu erleben. Und nach 3h hat man 50 km am Tacho. Ich weiss echt nicht, wie man das beschreiben soll, um es jemanden naeher zu bringen, der da nicht von selbst drauf steht. Der da nicht sofort denkt: Ich will da rauf. Es gibt jedenfalls genug Leute, die es wollen: 100e Rennradler, Mountainbiker, Trekkingbiker, sogar einen mit Handbike sah ich. Wer auch nur irgendeine Sorte von Befriedigung dabei empfindet, wenn er mit dem Rad auf einen Huegel raufgefahren ist, der sollte unbedingt hin. Es gibt glaub ich keine bessere Gegend als die Westalpen. Vergleichbare Paesse stehen ja nicht mehr auf dem Programm. Arlberg? Ein Mueckenstich in der Landschaft! Ansonsten? Mal sehen, wie das Wetter wird. Wenn ich unter diesen Umstaenden 120 km pro Tag geschafft habe, dann sollte sich eventuell der Glockner doch noch mitnehmen lassen! Das Radlreisen an sich war ja auch recht lustig. Abgesehen von den Quartiernoeten in Jausiers vollkommen problemlos. Ueberall Cafes, Tabacs und andere kleine Geschaefte mit genuegend Kalorien fuer den langen Tag. Abends wurde es nur in Frankreich ungemuetlich, wobei die Touristeninfos sehr wechselhaft waren. Von komplett desinteressiert wie in Jausiers (schickten mich ungeschaut zu einem Hotel, wo sie nur herzhaftes Lachen uebrig hatten auf meine Frage nach einem freien Zimmer) bis total freundlich, bemueht und mit exzellentem Englisch in Briancon (huebsch auch noch, die haett ich gerne eingepackt! Dieser Akzent!). In der Schweiz kann man sich das Wintertourismuskapazitaetsbedingt sowieso ersparen. Durchs Dorf rollen, ein Hotel erwaehlen, das gut ausschaut, reingehen und sagen: I warat jetzt do. Billig ist's uebrigens nirgendwo, ausser man macht's wie der Piefke, pennt in Jugendherbergen und ernaehrt sich von Baguette. Ich denk mir eher, Whatever, ich bin in Urlaub, und lasse die Euros durch die Finger rinnen, wie sie wollen. Den Herzinfarkt beim Anblick von Kreditkartenrechnung und Kontoauszug werde ich schon irgendwie ueberstehen. Tja, soweit zum 1. Teil. Das Gewand hat schon eine Runde in der Waschmaschine drehen duerfen, es stehen dann noch 2 Tage Entspannung am Programm. Eventuell werde ich noch ein paar Fotos ins Internet scheuchen. Am Montag geht's weiter, 7 Tage durch die schene Hoamat. Mal schauen, wie oft ich da den Zug brauchen werde. PS: 33000 Kalorien verbrannt, also je nach Berechnungsart um die 3 Quadratmeter Pizza. Donnerstag, 7. August 2008Was wird's wohl werden?Warum bin ich so daemlich?
Erst nachdem ich gestern die Bestaetigung bekommen habe, dass es anderen bei aehnlichen Vorhaben eh genauso geht, traue ich mich folgenden bedrueckenden Gedanken in die Welt posaunen: Warum tue ich mir den Schas an? Bedruecken tut mich das schon seit ein paar Tagen; ja, ist fast mein Hauptproblem. Alles andre kann ich eh nicht beeinflussen - Wetter, Gebrechen, Training, alles (eigentlich) nicht mal einen 2. Blick wert. Es kommt, wie's kommt, wenn's kommt, dann kommt's, wenn's net kommt, kommt's net.
Aber so geht's mir bei allen Reisen: Idee, Planung, alles enthusiastisch, dass mir die Vorfreude bei den Ohren rausspritzt. Vorbereitungen: Endlich was zu tun fuer den lieben langen Tag. Und dann, spaetestens 1 Woche vor der Abreise kommt dann die schaurige Erkenntnis: Diese Suppe muss jetzt ausgeloeffelt werden. Schon vor einigen Jahren fuehrte dies zum Abbruch meiner Pyrenaeentraverse - bis ich das probate Mittel entwickelte, allen die Ohrwaschln vollzulabern, die nicht schnell genug ins Wachkoma fallen. Sozialer Druck ist doch noch immer der beste Motivator, und nix macht mehr Druck, als es schwarz auf weiss ins Interweb zu stellen. Da kann ich die Plaene dann nicht mehr verleugnen, wenn ich dann in einer stillen Stunde dahocke und denke: Na oida, es waer doch sooooo viel gemuetlicher daheim auf der Couch den Weberknechten beim Wippen zuzuschauen. Den Alltagstrott einfach weiterzuschleichen, da vergehen die Jahre auch, und das retrospektiv gesehen erschreckend rasch. Sich da rauszureissen ist nicht einfach - Traeumen und Planen macht Spass, aber wenn dann der Zeitpunkt kommt, muss ich mich doch am Kragen packen, ein paar Detschn links und rechts und anschreien: Moch's afoch! Weil's immer so war: Sobald ich dann unterwegs bin, am Rad durch's Gebirge, mit dem Rucksack durch fremde Laender, macht's eh unglaublich Spass und fuer kurze Zeit kann ich mir kein anderes Leben vorstellen. Und das "Geh bitte, warum tu ich mir das an?" ist komplett vergessen, kommt nicht einmal wieder, wenn's stuermt und schneit oder sich der Trickdieb mit meinen 100 Euro aus dem Staub macht. Nachdem ich doch schon einige Zeit mit mir verbringen habe muessen, kenne ich mich ein wenig, aber das macht die Sache um nix leichter. Bleibt nur Ablenkung waehrend des ewig langen Wartens, bis es endlich losgeht...
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