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Dienstag, 27. Juli 2010Zeitfahrdatenverwursteln++, noch einmal
Soda, ein paar Stuendchen hatte ich noch uebrig fuer den 3. Teil der Zeitfahrverwurstelung. Muss sein. Weil ich draufgekommen bin, auf Trainingpeaks tun sie veroeffentlichen die Rohdaten von Chris Anker Sorensen beim Zeitfahren. Der ist doch sicher interessant! 1. 20. geworden, also nicht schlecht, 2. als 101. gestartet, also gerade beim gestern angesprochenen Umschwung. Da duerfte der Wind angefangen haben. In Relation zu den spaeter gestarteten GC-Favoriten sieht er aber erstaunlich gleichmaessig aus:
![]() Neues, viel cooleres, Diagramm fuer die Durchschnittsgeschwindigkeiten. Sorensen ist # 17. Durchgezogene Linie: Durchschnitt seit Start, gepunktet: Durchschnitt fuer den jeweiligen Abschnitt. Andere Startnummern: #1 Contador, #11 Schleck, #101 VdBroek, #181 Sanchez, #191 Menchov, #195 Gesink Also schauen wir uns mal seine Leistungsdaten genauer an, wenn sie schon da sind. Naja, das war dann gar net so einfach - das WKO-File ist irgendein raeudiges Binaer-Format. Ein frisch angelegter testhase fuers Webinterface von Trainingpeaks hat dann auch nur herausgefunden, dass das Flash fuer die Fisch ist. Man kann ein paar bunte Linien machen, aber nix exportieren. WKO+ ist nur fuer Windosen. Zum Glueck gibt's Open Source, naemlich wko2csv, ein schon laenger nicht mehr gewartetes Sourceforge-Projekt. Das erkannte zuerst den Versions-String net im File, ein wenig C++-Hack spaeter war die Nuss dann geknackt, und ein CSV-Dump da. Der musste noch beschnitten werden, weil Ein- und Ausrollen auch aufgezeichnet. Etwas geraten, aber es wird wohl hinkommen. Allerdings: Mit Zeit, Watt, Kadenz, Geschwindigkeit, Hoehe, Temperatur. Was? Keine Distanz? Vielleicht doch Binaerformat noch inkompatibel, aber was soll's: Wir haben eine Zeile fuer jede Sekunde, und da steht die aktuelle Geschwindigkeit drin. Also schnell im R: Neue Spalte, mit Summe aus vorheriger Zeile + aktuelle Geschwindigkeit/3.6 (dann hamma m/s). Summiert sich auf 51800 m, knapp genug an 52 km dran, passt mir. Zuerst mach ma das, was man in R immer macht: plot(sorensen$Speed ~ sorensen$Power), einfach, damit man mal ein Gefuehl fuer die Daten kriegt: ![]() Scatterplot Leistung vs. Geschwindigkeit. Keine Korrelation. Schauen wir nochmals. Zuerst die Daten nach Distanz in Sektionen partitionieren, und dann nur Sektion 1 und 2 malen: ![]() Scatterplot Leistung vs. Geschwindigkeit fuer Abschnitt 1 und 2. Wer sieht was? Naja. Das Auge meint, dass da nix linear ist. Man sieht hoechstens, dass er immer brav zwischen 40 und 55 gefahren ist und dabei 300 bis 450 Watt erstrampeln musste. Tatsaechlich, Korrelationskoeffizient ist raeudigste -0.07 (sollte nah an -1 oder 1 sein fuer negative bzw. positive Korrelation), das heisst: Staerker Treten nicht automatisch schneller. Klar, Wind und, oha! Steigungen. Wir haben ja die Hoehen angegeben: ![]() Hoehendiagramm, eingefaerbelt nach Abschnitten. Abschnitt 2 leider nicht huegeliger als 1, ganz im Gegentum. Sieht aber auch nicht wirklich aus nach einer Begruendung, warum 2. Abschnitt langsamer als die anderen. Au contraire, tut man die positiven Hoehenaenderungen aufsummieren (mit etwas R-Magie in 2 Zeilen gemacht!), kommt man fuer Abschnitt 1 auf 50 der insgesamt 150 Hoehenmeter, Abschnitt 2 hat gar nur 35. Abschnitt 3 hat genauso viel auf der halben Strecke! Hmpf. Naja, lustiges Zwischenintermezzo: ![]() Scatterplot Geschwindigkeit vs. Watt, eingefaerbelt nach Steigung (blau: rauf, rot: runter). Schoene Trennung, und keine Ueberraschung: Bergauf tritt es sich anstrengender. Bergauf muss man staerker treten und ist trotzdem langsamer! Wahnsinn, was einen die fortgeschrittene Datenmassage fuer arge Erkenntnisse liefern kann. Man koennte da noch Clustering betreiben, oder aus Geschwindigkeit, Watten, Kadenz und Steigung ausrechnen, mit welcher Uebersetzung er vielleicht gefahren ist, aber ich zu bloed, Zeit zu knapp und eh uninteressant. War Abschnitt 2 jetzt wirklich anstrengender? Vielleicht kommen wir ueber die Verteilung der Watte, aufgeschluesselt nach Abschnitt drauf: ![]() Verteilung der Watte auf den einzelnen Abschnitten. Naja, sieht man nix wirklich. Vielleicht doch densityplot? Hmpf. Abschnitt 3 und 4 sind ja viel kuerzer, daher weniger Datenpunkte, daher Kurve niedriger. Also doch density-Plot, der tut (hoffe ich!) nach Anzahl der Datenpunkte normalisieren und Wahrscheinlichkeiten angeben, dass ein Datenpunkt in einen Slot faellt: ![]() Density-Plot der Leistung in den verschiedenen Abschnitten: Abschnitt 2 ist sogar nach links verschoben, scheint also weniger anstrengend gewesen zu sein! Whoa. Abschnitt 2 ist weiter links als 1, und damit eigentlich sogar weniger anstrengend! 4 ist erwartungsgemaess viel weiter rechts, da wird nochmals ordentlich angedrueckt. Man koennte jetzt noch Masszahlen fuer Skew und Breite angeben. Koennte man. Haette man die muehsam massierten Daten noch. Weil einmal zu bloed gespielt, und ich hab geglaubt, ich lasse R jetzt nur ein paar Tausend Datenpunkte aufsummieren nach Abschnitten, aber irgendwas lief da schief. Jedenfalls bliess sich der Prozess auf ein paar GB Speicher auf, bevor er explodierte. Und Zwischenspeichern ist ja fuer Deppen, die nicht wissen, was sie tun. Mpf. Man muss schon sagen, R.app fuer OS X ist zwar fein, aber ein wenig mit der heissen Nadel gestrickt. Den richtigen Moment verpasst, und der Stop-Knopf funktioniert nimmer, dann muss man der aktuellen Berechnung ihren Lauf lassen. So ein eigener Thread fuer GUI-Aktionen, den sollte man sich doch leisten koennen. Aber, hat eh was gutes: Ein ungeloestes Raetsel, das die Forschung noch Jahrzehnte beschaeftigen wird, und ich kann mich endlich wieder um sowas aehnliches wie Leben kuemmern. Ich schliesse: Vielleicht ist es ja Absicht - schnell starten, dann normalisieren auf hohem Niveau und gegen Ende dann die letzten Reserven zusaetzlich verbrennen. Und aus. Montag, 26. Juli 2010Zeitfahrdatenverwursteln++
Irgendwie hab ich mir gedacht, dass das angesprochene Phaenomen des langsameren 2. Abschnitts nicht in Ruhe laesst. Also:
![]() Differenz der Durchschnittsgeschwindigkeiten Abschnitt 2 zu Abschnitt 1. Spaeterer Start: Langsamerer 2. Abschnitt. Zur Erhoehung des Schwierigkeitsgrades: Punkte fuer Fahrer eingefaerbt nach Finish-Zeit ([s]). Es ist denn tatsaechlich so, dass spaeter startende Leute den 2. Abschnitt langsamer fuhren als den 1. Auch ein t-Test ergibt da signifikante Unterschiede (p<10-8). Im Prinzip kann man sagen, dass bis Startnummer 48 der 2. Abschnitt im Schnitt schneller als der 1. gefahren wurde, nachher langsamer (49 % Wahrscheinlichkeit vs. 16 %). Von den letzten 55 Startern war ueberhaupt nur mehr einer schneller im 2. als im 1., und das war Mario Aerts (#102). Eine lineare Regression (R2 von nur 0,33) ergibt, dass man ab Startnummer 38 langsamer gefahren ist. Der Unterschied in den Durchschnitten der Durchschnittsgeschwindigkeitsdifferenzen (hrhr) fiele sogar deutlicher aus, wenn's nicht vorher Kristjan Koren (#43) gegeben haette, der ein wenig gebummelt hat. ![]() Durchschnittliche Aenderung der Durchschnittsgeschwindigkeit (Kopfweh?) aller Fahrer vorher (obere) und nachher (untere Grenze). Zum Spass habe ich noch die Grafik mit den ersten drei der Etappe um die zwei Ausreisser erweitert: ![]() Grafik erweitert um Mario Aerts und Kristjan Koren Nur, damit man die Klassen-Unterschiede ein wenig deutlicher sieht. Zeitfahrdatenverwursteln
Die Tour ist aus. Wieder 11 Monate emotionales Vakuum, das irgendwie ueberbrueckt werden muss, behelfsmaessig gekittet mit belanglosen Sachen, wie Leben. Naja, ein wenig kann man es hinauszoegern, indem man noch einmal ein wenig seziert.
Zeitfahren ist zwar zum Zuschauen echt wirklich unendlich oed, so nicht gerade herumgemenchovt wird, aber dafuer gibt's Daten! Heuer war es ja ein bisserl spannender, weil Andy Schleck, eigentlich der schlechtere Zeitfahrer, von seinen 8 Sekunden Rueckstand im GC auf Alberto beim ersten Checkpoint auf einmal 2 Sekunden gut gemacht hatte. 6 kurze Sekuendchen haben da noch gefehlt! Ein paar Stunden davor hatten die beiden Favoriten fuer den Etappensieg ein endliches Duell: Tony Martin fuehrte beim 1. Check mit 9 Sekunden auf den eigentlich viel besseren Fabian Cancellara. Fuer beide drehte sich aber das Schicksal dann, und im Ziel lag Alberto vor Andy und Fabian vor Tony. Ganz wichtig beim Zeitfahren ist angeblich das Pacing, also nicht am Anfang auf Anschlag und dann am Zahnfleisch ins Ziel kriechen. Aber auch locker dahindodeln, weil sonst zu viel verloren, holt man nimmermehr auf. Und weil es auf letour.fr alle Splits praktischerweise zum Copy & Paste im praktischen Tabulator-separierten Format gibt, und ich eh schon lang nix mehr mit R gemacht habe, schauen wir uns das einmal an. Frischerhands in R geladen, ein wenig herummassiert und dann mit ggplot2 ein paar einfache Bildchen gemalt. Anstatt da mit Sekunden rumzupfuschen, dachte ich, schauen wir uns an, wie sich die Durchgeschnittsgeschwindigkeiten auf Abschnitt 1 (km 0 bis km 18,2), Abschnitt 2 (km 18,2 bis 36,2), Abschnitt 3 (km 36,2 bis 45,4) und 4 (45,4 bis Ziel bei km 52,0) entwickelt haben, und zwar nur im jeweiligen Abschnitt. Man beachte: 3 und 4 sind nur ca. halb so lang wie 1 und 2. Zuerst die 3 besten auf dieser Etappe: Die sind recht frueh gestartet, weil die in den Bergen recht viel Zeit liegengelassen haben und dementsprechend weit hinten im GC sind. Grabsch war ueberhaupt die Rote Laterne, als 27. startete Martin, und dann noch als 39. Fabiaaaan. ![]() Durchschnittsgeschwindigkeiten der ersten 3 auf der Etappe von Start zu Check 1, Check 1 zu Check 2, 2 zu 3 und 3 zu Ziel. Gepunktete Linie: Gesamt-Schnitt. Schluessel: Fabiaaaan #13, Martin #115, Grabsch #113 (ich war zu faul, noch die Namen in die Legende einzubauen). Grabsch hat relativ langsam angefangen, und sich erst spaeter richtig gesteigert. Allerdings insgesamt einfach zu langsam - im Ziel fast 2 Minuten Rueckstand. Ein wenig besser sieht's bei Martin aus - der hatte allerdings einen seltsamen Einbruch auf Abschnitt 2. Abschnitt 3 war er genauso schnell wie Fabian, zum Schluss beschleunigte er zwar nochmals, aber alles nix gegen den Schweizer Zeitfahr-Weltmeister. Der hat fast gemuetlich angefangen (50er-Schnitt, pah), und dann kontinuierlich gesteigert. Auf den letzten 8 km legte er noch einen Schnitt von 54,3 km/h hin. Unglaublich - er hatte allerdings auch den Vorteil, dass er die Zeiten von Martin schon kannte und genau wusste, wie schnell er fahren musste. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon von Abschnitt 2 genug Vorsprung, konnte sich also noch etwas "ausruhen", um am letzten Stueckerl so richtig die Sau rauszulassen. ![]() Durchschnittsgeschwindigkeiten der ersten 6 im GC von Start zu Check 1, Check 1 zu Check 2, 2 zu 3 und 3 zu Ziel. Gepunktete Linie: Gesamt-Schnitt. Bei den Klassement-Fahrern sah's ganz anders aus. Der Schnitt liegt weit darunter - lt. Fernsehkastl hat am Nachmittag ein richtig boeser Wind zu wehen begonnen. Bei allen sieht man den Einbruch auf Abschnitt 2, der duerfte besonders windanfaellig gewesen sein. Interessant waer, das genauer anzuschauen - nur 25 % aller 170 Leute fuhren auf Stueck 2 schneller als auf 1, aber ich hab noch nicht gelugt, ob das mit der Startreihenfolge korreliert. Anekdotisch: Auch bei Martin sieht man den Einbruch, also kann's nicht der Wind (allein) gewesen sein. Menchov (#191) war eindeutig der schnellste, Gesink (#195) der schneckigste. Spannend wird's im Vergleich der Gruenen mit der Orangen und Gelben Linie (#1: Alberto, #11: Andy, #181: Samuel Sanchez, ehemaligst 3. im Klassement, von Menchov eingestampft). Andy startete, wie gesagt, sehr schnell und lag vor Contador beim 1. Check. Aber er hat wohl ziemlich ueberdreht - die Abstaende zur gruenen Contador-Linie werden immer hoeher, er steigerte sich zwar wieder, aber bei weitem nicht im selben Ausmass wie Contador. Sanchez dagegen startete langsamer, lag dann fast ex-aequo (aber immer noch hinten), drehte dann voll auf und brach dafuer auf Abschnitt 4 etwas ein (im Vergleich zu Contador - er fuhr schon noch schneller als am 3.). Alberto selbst scheint sich auf den letzten 8 km die Seele aus dem Leib gefahren zu haben. Van den Broek dagegen bestes Beispiel fuer wie man's auch net macht: Entweder er hatte besonders boesen Wind auf den 2. 18 km, oder er hat sich auf dem ersten Stueckerl so vorausgabt, dass nix mehr uebrig war (immerhin war er schneller als Sanchez). Jedenfalls hat er dann nochmals voll reingenusst, und ist die letzten 8 km sogar schneller gewesen als Schleck, aber insgesamt war's dann trotzdem nur die 5.schnellste Zeit der 6 GC-Fahrer. So, und jetzt noch die Aenderung der Durchschnittsgeschwindigkeiten von Abschnitt 1 auf 2, 2 auf 3 und 3 auf 4, weil auch recht interessant (raeusper): ![]() Differenzen der Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen Check 1+2, 2+3 und 3+4. Van den Broek hat ordentlich beschleunigt. Das ist quasi die Masszahl fuer die Saurauslassung auf dem jeweiligen Abschnitt. VdBroek hatte seine Schweine tief in der Geheimgrube unterm Stall vergraben, aber dann trieb er die Schinkenspender quasi mit Fackel und Sense hinaus, dass es nur so quiekte. Von fast -3 km/h auf +3 km/h, und damit hat er sich anscheinend wirklich zu viele Koerndln aufgehoben gehabt. Wie schon angekuendigt, Fabian war der einzige, der auf Punkt 1 schon seine Grunzviechergatter geoeffnet hatte. Dass er sich von diesem hohen Niveau noch einmal am 2.meisten steigern konnte, spricht dann fuer einen eingebauten Motor, der magischerweise ohne Batterie und Laufgeraeusch funktioniert (bitte ankreuzen, wenn man italienischer Journalist ist) oder dafuer, dass er einfach der beste Zeitfahrer ist, im Moment (Drogen nehmen sie eh alle dieselben). Andy dagegen (#11, fuer die Kurzzeitgedaechtnisbeeintraechtigten) schien schon am Anfang ziemlich auf Anschlag gewesen zu sein - die geringsten Steigerungen von allen, und damit auch insgesamt eher nicht so gut abgeschnitten. Denis "The Pope" Menchov (sehr lustig: von Eurosport verliehener Boxer-Name, weil er immer den Boden kuesst) ist uebrigens der einzige, der zum Schluss deutlich weniger beschleunigen konnte als von 2 auf 3. Vielleicht wusste er aber auch schon, dass er mehr als genug Polster auf Sanchez hatte und ist deswegen nicht ganz auf Druck geradelt. Soda, genug generdet. Wer bis hierher gelesen hat: Wie fad kann einem eigentlich sein?! Samstag, 16. August 2008Ein viel zu langer Bericht
Wer brav mitgelesen hat, kennt eh das meiste schon.
Das spannendste am Radreisen ist natürlich: Wird es in einem Stück ankommen? Der kritische Punkt tritt schon dann ein, wenn man am Gepäckskarussell auf die sorgsam geschnürte Schachtel mit dem einen essentiellen Bestandteil des Urlaubs wartet. Horrorgeschichten kursieren in diversen Foren, kaputte Felgen, verbogene Schaltungen, gebrochene Rahmen gar, und ich war etwas nervös. Zum Glück konnte ich die Aufregung mit 2 anderen teilen, die ebenfalls auf ihre Räder warteten und die Anspannung mit halblustigen Scherzchen zu zerstreuen suchten. Erst im Flugzeug ist mir übrigens klar geworden, was ich da vorhabe. Irgendwie seltsam: 2 Stunden Flug von Wien nach Nizza entsprechen 2 Wochen strampeln von Nizza nach Wien. Vor dem Fenster breitete sich der Alpenbogen in seiner ganzen Gewaltigkeit aus, und ich stellte mir einen kleinen Radler vor, der da irgendwo drin herumkurvt. Ist schon seltsam, wie unterschiedlich gross man sich die Welt machen kann. 20 km in 2 Minuten, oder in einer Stunde, je nach dem. Oder gar noch länger, aber wieviel länger, das ahnte ich noch nicht wirklich. Morgentrott: Wecker abschalten, mit gerunzelter Stirn am Radlgewand schnüffeln, reinschlüpfen, Frühstücken so viel wie reingeht, alles wieder in Müllsäcke verpacken (könnte ja regnen) und halbwegs gewichtsgleichverteilt in die Packtaschen stopfen, Kontrollblick, zahlen, aufs Rad schwingen und bei km 0,0 anfangen. Seufz... 0,01 0,02 ... 0,1 ... 1,0 - zach! Wenn man noch 120 km vor sich hat. Aber es macht gar nix, wenn die ersten Kilometer so spektakulär sind, wie von Levens hinunter ins Tal. Bei jeder Kehre könnte man stehenbleiben und Fotos schießen. Dann folgt das gemeine Wurstbrot des Radfahrens, nach dem gestrigen Tramezzini - ein Tal, leicht bergauf, Hauptverkehrsstrasse. Da geht's nur darum, Kilometer um Kilometer wegzustrampeln. Aber keine Sorge, bald wird das Tal enger, ich biege auf eine kleinere Strasse ab und außerdem sind die Franzosen sehr rücksichtsvoll - wenn einer hupt, dann um nachher Allez, Allez zu rufen und zu winken nachher. Seitenabstand wird eingehalten, bei Gegenverkehr fahren sie die paar Meter hinter dir her. Außerdem treffe ich einen anderen Radler, wir fahren kurz im Verband, dann überholen uns von hinten 2 Typen in Profimontur und wir hängen uns an die. Mit 30, 35 geht's dahin, aber beim ersten Anstieg zeigen sich leichte Klassenunterschiede: Der 1. Profi zieht in gewaltigem Tempo bergauf davon, als ob der Berg nicht existieren würde, der 2. fährt gleichmäßig hinterher, ich schnaufe und keuche, um an ihm dranzubleiben, unser Mitreisender wünscht Bon Voyage und verschwindet nach hinten. Gipfelzigarette. Unterwegs noch kurz in die Sonne setzen und ein Cola trinken. Dann endgültig bergab. Ein paar Hotels, aha, ein paar Pensionen, soso. Mal fragen: Nix gibt’s, voll. Hm. Wochenende ist halt auch. Ich rolle etwas durch die sehr nette Stadt und finde eine Touristeninfo. Dort schicken sie mich zu einem Hotel und noch zu einem 2. Dort fragen. Ich fahre hin: Nix, hohles Lachen. Schon seit gestern ausgebucht. Ein wenig herumfahren, nirgendswo ein Platz. 10 km weiter bis Barcelonette, angeblich größer, angeblich mit freien Hotels. Nicht so laut Touristeninfo. Davor drei Deutsche mit Rad, ein Pärchen, die sich ins Fäustchen lachen, weil sie ihr Zelt dabei haben, einer, den ich schon vom Bonette kenne, der ebenfalls auf Bettsuche ist. Wir beschließen, weiter talauswärts zu radeln, aber da steht ein Hüttchen mit Zimmervermittlung auf dem Weg aus der Stadt. Hinein, und eine total bemühte und nette Frau kümmert sich um uns. In Pra Loup gäb’s noch Zimmer, aber das ist eine Skistation nochmals 10 km weit weg – bergauf. Wir knicken ein. Nehmen wir, und wo gibt’s da ein Taxi? Die etwas überdrehte Taxifahrerin wirft resolut unsere Räder in den Kofferraum und los geht’s. Breiten wir den Mantel des Schweigens über Pra Loup aus, reden wir nicht über das Abendessen im Hotel (nach dem Radfahren gibt es kein schlechtes Essen), erwähnen wir nur den Sonnenuntergang, der die Berge in saftiges Rot tauchte. Und dass der nächste Tag mit einer deftigen Abfahrt begann. Dann wieder hinab ins Tal. Ich komme direkt in Briancon raus, meinem Etappenziel. Leicht verspannt, und das nicht von den überangestrengten Muskeln. Es ist Sonntag, Wochenende ist vorbei, wie wird’s aussehen? Immerhin war’s noch sehr früh, 4 oder so. Ich radle die paar 100 Meter in die Altstadt auf dem Hügel hinauf, schleppe das Rad über die gepflasterten Stufen zum Kirchplatz und treffe dort auf die freundlichste, netteste, hübscheste Touristeninfofrau, die es gibt. Naja, das Hotel, das hier könne sie auch empfehlen, fragen wir mal bei dem nach? Ok. Es wurde das Hotel Edelweiss. Die Abendroutine wird dann nur unterbrochen vom längst fälligen Wäschewaschen. Am Scheideweg entscheide ich mich gegen einen Ausflug ins Piemont, dafür die Dreifaltigkeit der Cols: Lautaret, Galibier, Telegraphe. 3 zum Preis von 1, weil nur auf letzteren ein paar Extrahöhenmeter fällig sind. Zuerst aber der langweilige Lautaret, den man sich sparen sollte, wenn man könnte: Schnurgerade, gleichmäßig steile Strasse mit viel Verkehr. Man kommt auf 2000 m raus, zuerst ein Kaffee, denn es weht ein eiskalter Wind. Dann hinauf zum Galibier auf 2600 m. Hunderte Radler, ein Haufen davon zieht im Wiegetritt an mir vorbei – deprimierend, aber ich tröste mich damit, dass die kein Gepäck hinten drauf haben. Der Galibier macht gleich viel mehr Spaß, in engen Kehren windet sich die Paßstrasse den Hang hinauf. Bei 2 davon laute Allez, Allez-Rufe, ein Fotograf blitzt mich 2, 3 Mal und rennt mir dann nach mit einem Kärtchen. Ich treffe den Deutschen wieder, der aufs neue ziemlich kaputt ist. Sein letzter Pass, wie er meint, den restlichen Weg nach Köln wird er die Berge meiden wie die Pest. Vollkommen unterschätzt hat er die Westalpen. Schmackhaft sind auch die Crepes, wir kosten die halbe Karte durch und haben um 8 wieder genug Hunger für Lasagne. Ich bin trotzdem ziemlich deprimiert. In der Früh hängen die Wolken tief im Tal. Aber es reicht. Mir jucken die Schenkel. Ich packe und schwinge mich aufs Rad – der Simplonpass soll ja nicht so prickelnd sein, aber er ist das Tor zum Tessin für mich. Anfangen tut er nicht schlecht, auf der alten Strasse durch die Dörfer ist es ruhig und angenehm. Durch die Wolken durch hört man nichts, ausser das eigene Keuchen, und die Kette, die trotz Schmierung gestern ominös quietscht, das Tretlager, das noch ominöser knackt. Aber dann muss ich hinaus auf die Hauptverkehrsachse. Lastwagen, Busse, Autos, vor allem hunderte Motorradler. Das nervt, vor allem, weil die schnurgerade Strasse zum Rasen einlädt. In einer Lawinengalerie hupt mich ein Vollkoffer an. Man stelle sich vor, jemand hält einem ein Megafon ans Ohrwaschel und schreit so laut er kann rein – ungefähr so klingt das. Wenn das Ziel war, dass es mich ordentlich reißt und schreckt, ich umfalle und er schön über mich drüberfahren kann, dann hat er es nur knapp verfehlt. Kaum tröstend da die Blicke auf die Gletscher, allen voran der Aletsch-Gletscher, zumal die eh meistens bescheiden in Wolken gehüllt sind. In Locarno ist es dann erst 3 am Nachmittag. Zeit für ein ordentliches Sandwich, natürlich am See genossen. Dann den Seeradweg entlang. In Bellinzona stehen 120 km am Tacho, Zeit für ein Hotel, aber noch ein bisserl rauf hier, Richtung Berge. Auf einer Nebenstrasse fährt es sich gut, aber nach 12 Schildern mit Hotel und Garni an jeder Kreuzung ist deren plötzliche Absenz umso verstörender. Ein Schlafdorf nach dem anderen, nicht einmal ein Wirtshaus gibt’s in den meisten. Ich frage jemanden, die meint nur trocken: Bellinzona, da gäb’s Hotels. Aber lieber 20 km weiter als 10 km zurück! Und dann lande ich in Biasca, wo es nicht nur ein richtig nettes Hotel mit WLAN gibt, sondern auch eine Kirche am Hügel, zu der ich nach einem Beutezug in eine Konditorei hinaufkraxle. Ein schattenspendender Baum, ich vernasche meine Mitbringsel und könnte auf der Stelle einschlafen. Nix da. Kaffee, dann etwas Route recherchieren. Der Entschluss: Lukmanierpass und Oberalppass sollen mich nach Andermatt bringen. Nur den Gotthard, das wär zuwenig, Nufenenpass und Furkapass, das wär zuviel. Man sieht, in der Gegend gibt’s Pässe, da kann man mehrere Schweinezuchten damit versorgen. Disentis begrüsst mich mit geschlossenen Geschäften. Von 12 bis 14 Uhr ist meistens zu, also begnüge ich mich mit einem Packerl Trockenfrüchte für Notfälle und mache mich auf dem Weg via Oberalppass nach Andermatt. Wieder ein schöner Pass, der sich zwar breit anlässt, aber dann schön schmal und kurvig wird. Begleitet die meiste Zeit vom Matterhorn-Gotthard-Express, dem langsamsten Expresszug der Welt. Die Trockenfrüchte geben mir gar nix, ausser Blähungen. Da muss eine Apfelwähe her als Supplement. Dringend. Finde eine, und jetzt gehen auch die letzten paar Höhenmeter bis hinauf auf den Oberalp. Hotels genug, eins wird erwählt. Duschen, herumschlunzen, spazieren gehen (es beginnt zu regnen). Wetterbericht: Schwer unprickelnd. Ganztagsregen für morgen. Ohweh. Trostlasagne, dann noch Kaffee, dann noch ein 2. Abendsnack, alles sehr nett in Andermatt, nur leider klappen sie um 5 die Gehsteige hoch. Kaum noch jemand auf der Strasse. Ich überlege. Naja, bis Zürich sind fast nur Wurstbrotkilometer übrig. Krank fühle ich mich auch ein wenig. Was soll’s. Der Bahnhof ist nicht weit. In Zürich kübelt es wie aus Giesskannen. Die 10 Minuten hinauf zur ETH, wo mich L. schon sehnsüchtig erwartet, weil sie mit mir Mittagessen gehen wollte? Klatschnass! Freitag, 15. August 20081. Abschnitt - vorbei!
Naja. Was soll man sagen. Irgendwie bin ich nicht so gluecklich, weil eigentlich versagt. Aber andererseits? Es war schwer genial. Wirklich. Wenn die 2. Woche dann 1/2 so gut wird, reicht es schon vollkommen.
Die reinen Daten sind ja jetzt nicht so beeindruckend. An 5 Reittagen knapp 600 km und 12700 Hoehenmeter verputzt. Zaehlt man den ersten und den Zugtag dazu, werden es 660 km und 13700 hm, also der Pantani dreht sich jetzt nicht im Grab um vor Angst, dass ich ihm davonfahren wuerde. Vor allem nicht, weil der Schnitt ueber all diese wenigen Kilometer 20 km/h betraegt. Urks. Also wirklich, diese Gegend ist mit nix zu vergleichen, was ich kenne. Meine Standards sind da nicht anwendbar. War reines Glueck, dass ich das ueberhaupt derblasen habe - kein Tag unter 2300 Hoehenmeter, 2 mit mehr als 2700. Ich haette mein persoenliches Maximum irgendwo bei 2000 eingeordnet und hab's vollkommen unterschaetzt, was man da so klettern muss. Aber es geht. Halt langsam. Sehr langsam. 2,5 h auf den Bonnette hinauf, fuer lumpige 26 km! Man kriecht und kriecht und kriecht dahin. Sehr viel Zeit, um die Landschaft zu betrachten, die Bluemchen und die Bienchen, die Kuehe und die Schafe (und sich von den Bremsen beissen zu lassen bis man sie anschreien will: Cherchez la vache, bete infernale!). Man schraubt sich Kehre um Kehre hinauf, sieht, wie sich die Landschaft aendert, faehrt an Wasserfaellen, Bergdoerfern, Waelder und Wiesen vorbei, ueberschreitet die Baumgrenze... Um dann auf der anderen Seite im Zeitraffer dasselbe nochmals zu erleben. Und nach 3h hat man 50 km am Tacho. Ich weiss echt nicht, wie man das beschreiben soll, um es jemanden naeher zu bringen, der da nicht von selbst drauf steht. Der da nicht sofort denkt: Ich will da rauf. Es gibt jedenfalls genug Leute, die es wollen: 100e Rennradler, Mountainbiker, Trekkingbiker, sogar einen mit Handbike sah ich. Wer auch nur irgendeine Sorte von Befriedigung dabei empfindet, wenn er mit dem Rad auf einen Huegel raufgefahren ist, der sollte unbedingt hin. Es gibt glaub ich keine bessere Gegend als die Westalpen. Vergleichbare Paesse stehen ja nicht mehr auf dem Programm. Arlberg? Ein Mueckenstich in der Landschaft! Ansonsten? Mal sehen, wie das Wetter wird. Wenn ich unter diesen Umstaenden 120 km pro Tag geschafft habe, dann sollte sich eventuell der Glockner doch noch mitnehmen lassen! Das Radlreisen an sich war ja auch recht lustig. Abgesehen von den Quartiernoeten in Jausiers vollkommen problemlos. Ueberall Cafes, Tabacs und andere kleine Geschaefte mit genuegend Kalorien fuer den langen Tag. Abends wurde es nur in Frankreich ungemuetlich, wobei die Touristeninfos sehr wechselhaft waren. Von komplett desinteressiert wie in Jausiers (schickten mich ungeschaut zu einem Hotel, wo sie nur herzhaftes Lachen uebrig hatten auf meine Frage nach einem freien Zimmer) bis total freundlich, bemueht und mit exzellentem Englisch in Briancon (huebsch auch noch, die haett ich gerne eingepackt! Dieser Akzent!). In der Schweiz kann man sich das Wintertourismuskapazitaetsbedingt sowieso ersparen. Durchs Dorf rollen, ein Hotel erwaehlen, das gut ausschaut, reingehen und sagen: I warat jetzt do. Billig ist's uebrigens nirgendwo, ausser man macht's wie der Piefke, pennt in Jugendherbergen und ernaehrt sich von Baguette. Ich denk mir eher, Whatever, ich bin in Urlaub, und lasse die Euros durch die Finger rinnen, wie sie wollen. Den Herzinfarkt beim Anblick von Kreditkartenrechnung und Kontoauszug werde ich schon irgendwie ueberstehen. Tja, soweit zum 1. Teil. Das Gewand hat schon eine Runde in der Waschmaschine drehen duerfen, es stehen dann noch 2 Tage Entspannung am Programm. Eventuell werde ich noch ein paar Fotos ins Internet scheuchen. Am Montag geht's weiter, 7 Tage durch die schene Hoamat. Mal schauen, wie oft ich da den Zug brauchen werde. PS: 33000 Kalorien verbrannt, also je nach Berechnungsart um die 3 Quadratmeter Pizza. Donnerstag, 7. August 2008Was wird's wohl werden?Warum bin ich so daemlich?
Erst nachdem ich gestern die Bestaetigung bekommen habe, dass es anderen bei aehnlichen Vorhaben eh genauso geht, traue ich mich folgenden bedrueckenden Gedanken in die Welt posaunen: Warum tue ich mir den Schas an? Bedruecken tut mich das schon seit ein paar Tagen; ja, ist fast mein Hauptproblem. Alles andre kann ich eh nicht beeinflussen - Wetter, Gebrechen, Training, alles (eigentlich) nicht mal einen 2. Blick wert. Es kommt, wie's kommt, wenn's kommt, dann kommt's, wenn's net kommt, kommt's net.
Aber so geht's mir bei allen Reisen: Idee, Planung, alles enthusiastisch, dass mir die Vorfreude bei den Ohren rausspritzt. Vorbereitungen: Endlich was zu tun fuer den lieben langen Tag. Und dann, spaetestens 1 Woche vor der Abreise kommt dann die schaurige Erkenntnis: Diese Suppe muss jetzt ausgeloeffelt werden. Schon vor einigen Jahren fuehrte dies zum Abbruch meiner Pyrenaeentraverse - bis ich das probate Mittel entwickelte, allen die Ohrwaschln vollzulabern, die nicht schnell genug ins Wachkoma fallen. Sozialer Druck ist doch noch immer der beste Motivator, und nix macht mehr Druck, als es schwarz auf weiss ins Interweb zu stellen. Da kann ich die Plaene dann nicht mehr verleugnen, wenn ich dann in einer stillen Stunde dahocke und denke: Na oida, es waer doch sooooo viel gemuetlicher daheim auf der Couch den Weberknechten beim Wippen zuzuschauen. Den Alltagstrott einfach weiterzuschleichen, da vergehen die Jahre auch, und das retrospektiv gesehen erschreckend rasch. Sich da rauszureissen ist nicht einfach - Traeumen und Planen macht Spass, aber wenn dann der Zeitpunkt kommt, muss ich mich doch am Kragen packen, ein paar Detschn links und rechts und anschreien: Moch's afoch! Weil's immer so war: Sobald ich dann unterwegs bin, am Rad durch's Gebirge, mit dem Rucksack durch fremde Laender, macht's eh unglaublich Spass und fuer kurze Zeit kann ich mir kein anderes Leben vorstellen. Und das "Geh bitte, warum tu ich mir das an?" ist komplett vergessen, kommt nicht einmal wieder, wenn's stuermt und schneit oder sich der Trickdieb mit meinen 100 Euro aus dem Staub macht. Nachdem ich doch schon einige Zeit mit mir verbringen habe muessen, kenne ich mich ein wenig, aber das macht die Sache um nix leichter. Bleibt nur Ablenkung waehrend des ewig langen Wartens, bis es endlich losgeht... Montag, 4. August 2008Vorbereitungen
Wichtige Dinge fuer diese Woche, als Vorbereitung auf die Alpenspazierfahrt:
Ein Buch schreibenFurchtbar. Angesichts aller Kriterien, die ein Reisebuch fuer eine einsame Radtour erfuellen muss, bin ich mittlerweile vollkommen verzweifelt. Nicht zu schwer (wegen bergauf), aber dick (wegen muss lang halten). Nicht zu spannend (wegen Seitenverschlinggefahr), aber oed darf es auch nicht sein (wegen lieber Kugelschreiber ins Aug als weiterlesen). Nicht zu lustig (wegen lauthals auflachende Alleinreisende immer verdaechtig), aber nicht zu traurig (wegen Rotz und Wasser heulende Alleinreisende nicht minder dubios). Gut geschrieben (wegen interessant), aber nix hohe Literatur (wegen anstrengend). Solshenizyn wuerde ja jetzt nahe liegen, aber der hat Onkel Stalin verraten, der es nur gut gemeint hat. Also bleibt mir nur eins: Selber schreiben. Dumm nur, dass die verbleibende Zeit nicht ausreichen wird, um das Ende wieder zu vergessen, normalerweise brauche ich dafuer schon zwei, drei Wochen. Nicht RadfahrenFaellt wohl am leichtesten von allem. Alter Aberglaube von mir: 1 Woche vorher nicht in den Rennradsattel steigen. Hat durchaus praktische Hintergruende: 1. Sturzrisiko vermeiden, 2. Radgewand muss auch gewaschen werden irgendwann, 3. Bin ich nachher so gampig auf Wegfahren, dass alle Sorge in den Hintergrund tritt. Aehnlich wie ein Gentleman vor einem Rendezvous nicht onaniert. CarboloadingFruehstueck: 500 g Nudeln mit Pesto. Z'nueni: 800 g Nudeln mit Sauce. Mittags: 1000 g Nudeln mit irgendwas drauf. Abends: 1200 g Nudeln mit Gatsch. 3 Uhr frueh: Aufstehen, 1500 g Nudeln essen ohne irgendwas. 5 Uhr frueh: Speiben, fluchen, wieder von vorn anfangen. Alternativ auch Grenadiermarsch vom Duran, hat immerhin 3 verschiedene Kohlenhydratquellen drauf (Semmelknoedel, Erdaepfel UND Nudeln). 10 kg abnehmenKoennte schwierig zu vereinbaren sein mit dem vorigen Punkt. Aber Bergfahrer-Figur ist Bergfahrer-Figur und dafuer bin ich eindeutig zu fett. Ausserdem sind meine Muskeln nur fuer 70 kg hekker + max. 10 kg Rad und Trinkflaschen trainiert. Jedes Gramm Fett, das ich von meinem Bauch runterhungere, kann ich dann mehr in Form von Gepaeck mitnehmen. Es geht um jede Unterhose! Autogenes TrainingIch werde es schaffen, ich werde es schaffen, ich werde es schaffen, ... AnsaufenHaengt wieder mit dem vorigen Punkt zusammen. Um das Koerpermagnetfeld auf die innere Mitte zu fokussieren und die Abstrahlungen der boesen Chakren zu deflektieren brauche ich die noetige innere Ruhe. Ein Glaserl oder zwei sind gut fuer die Nerven. Kuehlen Platz im Keller suchen mit InternetanschlussDa werde ich mich dann 2 Wochen lang verstecken, ab und zu ein Foto aus Panoramio posten und die GPS-Tracks faelschen. Und ihr werdet nichts ahnen! Har har har. Wohnung putzenAber ich bin nicht so wie meine ueberkommene und altmodische Elterngeneration, die das Haus nie in Unordnung verlassen haette, weil, was wenn man stirbt, und dann kommt einer rein und denkt sich: Jessas, solche Saupartln, eh nicht schad um die. Nein, ich werde extra vorm Wegfahren noch ein Kaffeehaeferl anpatzen und eine Unterhose in den Waeschekorb legen. Aber eine riesengrosse Bitte an die Leserschaft: Wenn ich dann zermatscht in der Schlucht liege, koennte dann jemand mitgehen, wenn die dann in meine Wohnung kommen, und sagen: Der ist in Echt eh ganz reinlich, das Kaffeehaeferl ist strikt ironisch! Freitag, 1. August 2008The Haushueter Diaries
Aus den diesjaehrigen Haushueter-Diaries ist ja wieder nix geworden, diesmal zwar nicht aus Unlust, sondern wegen eines technischen Gebrechens. Das Netzteil vom Macbook hat sich einen Widerstand verbrannt und dabei die Wohnzimmer-Sicherung geworfen - fast waeren die Fische, deren Pumpe da auch dranhaengt, mit in den Tod gerissen worden. Toller Haushueter! Sowieso, wenn ich dann des Abends stundenlang im Garten herumschlunze, lesend, Katzen streichelnd und dabei mit den Kopfhoerern der Musik lausche, koennten sie die Bude hinter mir wahrscheinlich abtragen, ohne dass ich was merke. Tja.
Rad ist aber das Thema hier, und ums Radl soll's auch gehen: Eine Art Generalprobe fuer die Alpenspazierfahrt haett's werden sollen. Ich war dann auch bisher an 5 von 6 Tagen aufm Ridley. Tag 1 bis 3 waren ja sehr wackelig, weil nach dem grossen Umfaller irgendwas bei Gabelschaft/Steuersatz/Steuerrohr hinueber war. Bei jedem Schlagloch hat dann der Rahmen vibriert wie ein, naja, und bergab fuehlte sich ziemlich schwammig an. Nicht gut - zum Glueck gibt's beherzte Bruderfreunde, die zerlegen das Ding komplett, montieren statt dem gerissenen O-Ring ein Gummibandl um den Steuersatz und schon rollt's wieder wie ein Teigroller (Hm, schlechter Vergleich. Hier besseres einfuegen. Irgendwann.). Bei mir rollt's so lala. Am Montag die Waidhofener Nostalgie-Runde, die aufgrund emotionaler Abhaertung und Visionen von brechenden Gabelschaeften und Bremsungen mit dem Kinn dann nicht ganz so aufwuehlend war wie beim ersten Mal (siehe Archiv). Ich bin's ziemlich resch angegangen, und hatte auch brav einen 28er-Schnitt drauf nach 70 km. Die dummen Haxen haben aber bei der Pause in Ybbsitz gemeint, es waer jetzt aus und wollten dann nimmer so recht aufwachen nachher. Der letzte Schupfer war fast eine Qual, und als ich die letzten Kilometer heimschlich, ging mit zu allem Ueberfluss das Wasser aus. Fix ein Cola aus dem Kuehlschrank, einen kraeftigen Zug - und schon hatte ich die grosse Magenkrampfpremiere. Unangenehm! Dienstag und Mittwoch dann kleinere Ausfluegleins, einmal gute 70, einmal gute 60 km mit moderaten Hoehenmetern. Hauptsaechlich Huegelgerolle durchs Mostviertel - also einerseits muss ich die Gegend in den allerallerhoechsten Toenen loben. OeVP sei Dank hat jeder Bauernhof eine gut ausgebaute, wunderbare Asphaltstrasse bis vor die Haustuer und noch weiter, da ist die Westautobahn wahrlich Schlaglochpiste dagegen. Garmin sei Dank hab ich jetzt den totalen Ueberblick ueber all diese schoenen kleinen Straesschen, wo Null Autos fahren, allerhoechstens mal ein Hase oder zwei, der sich ein Wettrennen liefern will (ziemlich hurtig, die Viecher). Kilometer um Kilometer spult man da ab, kein Verkehr, zwischen den Feldern und den Weiden, zwischen Schafen und Kuehen, ab und zu mal eine Goass oder zwa. Heuernte ist auch gerade - welch Duft ueberall. Andererseits ist's schon anstrengend, weil staendig rauf & runter. Deswegen dann nach einem ruhigen Donnerstag auf ins Hochgebirge - 4 ordentliche Berge machen 1700 Hoehenmeter auf 100 km. Und ich habe endlich die Versicherung, ich kann's noch. Die Bergbeine sind mir noch treu - irgendwann faellt man in ein Tempo, mit rund 170 Puls, nicht recht schnell halt, aber dafuer kann man stundenlang klettern. Spaetestens aufn Zellerrain hinauf war's soweit - Schweissbahnen hinterherziehend schnaufte ich da hinauf, auf einmal machte es Klick und einfach nur mehr Spass. Tolle Gegend, wunderbares Wetter und ich darf da mit dem Rad durchfahren. Was will man mehr vom Leben? Ein wenig war ich sogar traurig, als ich schon nach 100 km heimkam, aber Wege zum Glueck und Sturm der Liebe liefen auf ORF2, das konnte nicht warten. Mit der Regeneration von Tag zu Tag funktioniert's auch so halbwegs. Auf den ersten Kilometern schwere Haxen, die sich dann nach und nach besser und besser anfuehlen, spaetestens am ersten Berg gehen sie auf. Ich musste erst wieder ins richtige Zen hineinfinden, wo man nicht hetzenderweise versucht, Schnitt gutzumachen auf jedem flachen Kilometer, sondern diese Abschnitte gemuetlich faehrt und sich ein wenig erholt. Am Montag fuhr ich von Waidhofen nach Opponitz (talaufwaerts!) noch einen guten 35er-Schnitt, heute nach Gaming rein waren's 25. Insgesamt bin ich also halbwegs zuversichtlich, was die Alpenspazierfahrt anbelangt - aber mal anschauen, was passiert, wenn! Sonntag, 27. Juli 2008Le Tour: Ruhe in der Huette!
Eine sehr gute Nachricht fuer alle Kollegen H.s unter der Leserschaft: Ausmaus! Ruhe fuer ein Jahr. Wie das ganze Buero weiss, verfolge ich zwar so ziemlich alles recht aufmerksam, wo jemand mit einem Radl faehrt und ein anderer mit einer Stoppuhr daneben steht, aber ich fuehle mich nicht bemuessigt, darueber Senf zu vergeuden in diesem Blog. Also herrscht vorerst wieder Radrennfreie Zone hier.
Fazit: Sauspannend, wenn auch die entscheidende Alpe d'Huez-Etappe eher antiklimaktisch war aus patriotischem Standpunkt zumindest. Aber was soll's, der gelernte Rauchfangkehrer (wie unsere um ein Klischee nie verlegenen ORF-Kommentatoren nie zu erwaehnen vergassen) hat alle ueberrascht, auch mich, und wahnsinniges geleistet. Vor allem, wichtig, hat er Grund zur gespannten Erwartung der naechsten Jahre gegeben - als ob da nicht schon genug los waere. Die jungen Huepfer sind am Kommen, und es wird eine fantastische Generation: F. und A. Schleck, Contador, Kreuziger, Cavendish - alles Typen, die so quietschsauber sind, dass Mr. Proper aussieht wie in den Schweinetrog getunkt. Oder sie tun zumindest so. Nix mehr mit den tragischen Helden wie Pantani (und Ricco, der sich mit "Il Pirate" da anscheinend leider das falsche Vorbild ausgesucht hat) oder den Roboter-Typen wie Armstrong, siehe Einbruch vom Schleck-Buam, vom Kohl, oder Fraenk und Evans gestern beim Zeitfahren. Das macht das Rennen natuerlich auch nicht unbedingt langweiliger! Das Zeitfahren war ja schon ein Hammer. Wie schon der Sean Kelly und die Emma Irgendwie am Eurosport gesagt haben, der Kohl hatte eine gute Sitzposition, hat gut geackert und als er bei der 1. Zwischenzeit sogar vorm Cadel war, ist mir kurz ganz anders geworden. Aber auch der Sastre hat seine Zeitfahrhausaufgaben gut gemacht. Es hat sich wieder mal bewahrheitet, die Berghasen sind auch nicht ohne am Zeitradl, wenn es um was geht, verleiht das ordentlich Fluegel. Wenn sie nicht grad aus Nervositaet dreimal auf die Nase fliegen auf 50 km wie ein anderer Unaussprechlicher, koennen sie durchaus die Spezialisten ein wenig in ihre Schranken verweisen, wie auch schon vom Contador voriges Jahr vorgehuepft. Jetzt ist nur noch spannend, was die Labors noch zu den einzelnen Leistungen zu sagen haben, dann koennen wir uns freuen fuer Sastre und Kohl, weil ich bin ja immer dafuer, dass Rennen in den Bergen entschieden werden. Schlechter Verlierer: Evans. Jammert & sudert, dass sein Team so beschissen war. Macht man sowas? Echt nicht. Behauptet doch glatt, wenn er ein paar mehr Leute gehabt haette, dann waere er gestern nicht so schwach gewesen. Dabei hatte er vor Alpe d'Huez immerhin noch Leute dabei, im Gegensatz zu Kohl. Macht auch sicher auch flockige Stimmung fuer zukuenftige Rennen. Und eins muss man auch noch sagen. Die masslose Ueberschaetzung vom Kohl der ORFler war kaum auszuhalten. Die internationalen Kommentatoren waren wohl ueberrascht, hatten einige lobende Worte uebrig, aber von der behaupteten Heldenverehrung, die in der globalen Radsportwelt ausgebrochen haette sein sollen, merkt man eher wenig. Dazu ist Kohl auch zu inkonsistent bisher. Man sehe sich die bisherigen Leistungen von Evans, Menchov & Co. in diesem Alter an und vergleiche. Oder die juengeren Schlecks. Bisher war Kohl insofern kein Faktor, als er entweder einbrach, stuerzte oder taktisch vollkommen hirnrissige Entscheidungen traf. Das einzig wirkliche Ergebnis von Bedeutung war der 3. Gesamtrang beim Dauphine Libere 2006, das ist zwar kein unwichtiges Rennen, aber halt nur Training fuer die Tour fuer die Favoriten und quasi Vortanzen fuer die Domestiquen, die da auch mal hinwollen. Beim 1. Vuelta-Einsatz 2006 hatte ich ziemliche Hoffnung, aber Sturz. Beim 1. Tour-Einsatz 2007 hatte ich ziemliche Hoffnungen, aber er hat's komplett verpatzt, als er auf den falschen Etappen zum falschen Zeitpunkt attackiert hat. Und sonst war net viel, ausser ein paar Stuerzen (Ja, Glocknerkoenig. Oesterreichischer Staatsmeister, ich weiss. Aber nix, was Eurosport, Cyclingnews oder PEZ zu ausfuehrlichen Portraits hinreisst). Ich glaube eher, die Radsport-Welt lernt zwar schon vorsorglich, wie man Wolkersdorf ausspricht, aber noch ist er auf Bewaehrung. 2009 wird mit der Rueckkehr von Astana zur Tour im Kampf gegen die wirklich orge CSC-Mannschaft, und vielleicht noch zusaetzlich das neue Katjusha-Superteam mit Oligarchen-Geld, vielleicht sogar noch ein Euzerl spannender. Samstag, 26. Juli 2008Le Tour: Lanterne rouge II
Nach 28 langen Jahren ist es wieder so weit - ein Oesterreicher koennte die Rote Laterne heimbringen. So gern ich Wim Vansevenant auch mag (und so sehr mich die tollpatschigen Versuche der ORF-Kommentatoren amuesieren, seinen Namen richtig auszusprechen), waere es fuer so eine im Radsport vollkommen unbedeutende Nation eine grosse Ehre, sowohl am Podium vertreten zu sein, als auch den letzten Platz zu belegen. Quasi das uebermaechtige Ausland in die Zange zu nehmen. So kommt man zu Schlagzeilen, meine Herren Radprofis, so macht man das. In your face, Belgien, Italien, Frankreich und Spanien. Ha.
Bernhard Eisel hat sich jetzt schon drei Mal fallen lassen, eine Langzeitstrategie, die sich gestern ausgezahlt hat. Waehrend sich Wim Vansevenant, wie ueblich, kurz vorm Ziel aus dem Hauptfeld zurueckfallen liess, um 20 wertvolle Sekunden zu verlieren, war das nicht annaehernd genug, um den in einem der letzten Huegel dieser Tour abgehaengten Bernhard Eisel entgegen zu halten. Der fuhr die letzten 50, 60 km in einem Grupetto (eigentlich eher ein Krankentransport) hinterher und kam ueber 13 Minuten nach dem Feld ins Ziel. Das Ergebnis: 40 Sekunden Rueckstand auf Wim, wie ausgerechnet. Chapeau, beide Bernhards! Ich bewundere sie wirklich, die Kranken und Siechen, die Verletzten und Angeschlagenen, die alles geben, damit sie zumindest ankommen in Paris. Man muss schon wirklich fertig sein, vollkommen am Ende, damit man in der letzten Woche aufgibt, obwohl es die eigentlich haerteste ist. Berge, Zeitfahren und sogenannte Uebergangsetappen, bei denen man aber auch mehr Hoehenmeter macht als auf den Glockner rauf. Damiano Cunego gestern war der reine Wahnsinn. Bei km 2 oder 3 gestuerzt, Fresse auf Betonleitplanke, Platzwunde am Kinn, blutverschmiertes Gesicht mit mehr Abschuerfungen als ich Bart, Trikot in Fetzen, notduerftig auf der Strasse zusammengeflickt, wurde er von 3 Teamkollegen 193 km lang hinten nach ins Ziel chauffiert. Er schaffte es dann, 20 Minuten nach der Spitzengruppe. Applaus aus dem Publikum. Bitte ansehen und Kopf schuetteln: http://www.cyclingnews.com/photos/2008/tour08/index.php?id=/photos/2008/tour08/tour0818/bettiniphoto_0029493_1_full Donnerstag, 24. Juli 2008Packliste
Ich habe ja schon mein gesamtes Faktenwissen ins Internet ausgelagert, spart sehr viel Platz im eigenen Gehirn und wenn man sich dann einen Rausch ansaeuft und Zillionen von Gehirnzellen sterben ist's wurscht, weil die eh leerstehen. Der letzte Trend geht dazu, sogar persoenliche Erinnerungen zu 0 und 1 zu konvertieren und irgendwo in eine Datenbank zu stopfen. Da kann ich natuerlich nicht nachstehen - und sehr praktisch das ist, wirklich.
So brauche ich mir jetzt nicht die Birne zermartern, was ich voriges Jahr alles mithatte und (vor allem) was mir gefehlt hat. Alles ver- naja, nicht ewigt. Server abgedreht, Blogsoftware weg, Festplatte eingegangen, Datenbank inkompatibel, was es alles so gibt. Man stelle sich vor, der Karl Kraus, immer als Proto-Blogger gehandelt, haette seine Fackel wirklich als Blog gefuehrt. Ob da noch was uebrig waere davon? Ob das Format der k.u.k. Electronengehirnvernetzungsverwaltungsanstalt, Abteilung Electrifizierte Journaliserungen unter der Leitung von Graf von Geiger-Vehsely heute noch irgendwie lesbar waere? Ueber 80 Jahre bei jeder neuen Inkarnation alles konvertieren? Der meisten Software sind ja saemtliche Formate von vor mehr als 2 Versionen ziemlich wurscht, auch aus eigenem Haus. zB meine jugendlichen Sturm-und-Drang-Erguesse kugeln auf auf einem Uralt-Laptop herum, von dem ich sie nicht herunterkriege (und das ist auch gut so, ich glaube, ich wuerde mich vor Scham mit Benzin uebergiessen und anzuenden, muesste ich das nochmals lesen). Wie auch immer, und wurscht. Hier die gepatchte Packliste: Radzeug- 2 Radhosen - 2 Trikots - 1 Unterhemd - Aermlinge & Beinlinge - Handschuhe kurz & lang - 2 Paar Radsocken - Gore-Jacke fuer wenn Regen - Helm - Radschuhe - Schuhkondome fuer wenn Regen - Packtaschenkondom fuer wenn Regen Zivilgewand- 1 Trekkinghose - 3 Paar Socken - 3 Uhos - 3 T-Shirts - 1 langaermliges T-Shirt - Flipflops (zusaetzlich, wenn ich mit den Adidas-Radschuhen fahre, die gehen zivil auch durch wenn etwas kuehler) Kulturbeutel- Zahnputzbuerste + -paste - Duschgel+Shampoo, idealerweise 2in1 - Deospray - Rasierzeug - Muellsaecke - Handwaschmittel (sonst waer's ein wenig zu wenig Gewand) - Ohropax (Nachtruhe ist wichtig!) - Schaedlwehtabletten (Ansonsten nix medizinisches notwendig hoffentlich) Reparatur- Handpumpe - 2 Reserveschlaeuche - Pickzeugs - Multitool - 2 Reifenheber - Oel - 1 Fetzen - Nietstift + Reserveglieder fuer die Kette (dann auch Kettennieter + Komizange) - Kabelschloss (mit Schluessel!) - Isolierband, Kabelbinder Electrisches(oh weh) - iPhone - iPhoneaufladegeraet - Edge - Edgeaufladegeraet - Fotoapparat mit 14-45mm-Objektiv - Pulsgurt - Pulsgurtaufladegeraet (haha, Scherzal, der hat gar keins) - Speicherkarten, mind. 2 Papierenes- Reisepass - Kreditkarte - Bankomatkarte - Analog-Notizbuch - Flugticket - 1 Buch, aber was? Oed muss es sein, dass man es nicht gleich ausliest, aber zu fad soll es auch nicht sein. Und dick. Aber nicht zu schwer. Seufz. - Fotos von allen meinen Raedern Nicht einordenbar- 1 Rad, verpackt - 2 Trinkflaschen Demzufolge steht auf der Einkaufsliste: Schuhkondome, oder ich nehm gleich die Suedpol-zertifizierten Neopren-Dinger mit, pessimistischerweise. Ansonsten sollte ich komplett sein. Ich hatte mir voriges Jahr noch vorgenommen, eine bessere Regenhuelle fuer die Packtaschen zu besorgen, ich muss mir das nochmals ansehen. Die Erfahrung lehrt aber: Donnerstag abend mit der Kohlenschaufel aus dem Kleiderkasten die Packtaschen befuellen, durch die Wohnung laufen und willkuerlich Zeugs oben drauf, und dann dort wundern, warum ich mir eingebildet habe, ich braeuchte unbedingt 14 Unterhosen, aber nur 1 Paar Socken, Post-Its und eine Bratpfanne. Oh Freude!
Nur kurz den Grund erklaert, warum ich vorhin eben in einem spontanen Freudenausbruch auf die Strasse gelaufen bin, eine wildfremde Frau abgeschnudelt, ein rotzverschmiertes Kind mit tropfendem Schokoladeneis auf den Haenden umarmt habe und in einem Autokorso hupend durch die Stadt gefahren bin:
Sonntag Ruhiges Sommerwetter. Einiges an Sonne, nur ein paar harmlose Wolkenfelder, wahrscheinlich trocken. Lebhafter Nordostwind und sehr warm mit 23 bis 29 Grad. Der weitere Trend Am Montag, am Dienstag und am Mittwoch in ganz Niederösterreich meist sonnig und weitgehend trocken. Nur schwacher bis mäßiger Wind und sehr warm, die Höchsttemperaturen liegen bei 24 bis 29 Grad. Ich bin zu Traenen geruehrt und werde auf einer meiner Wallradfahrten nach Mariazell eine Kerze anzuenden, Ganesha eine Schnitzelsemmel opfern und einen Unglaeubigen unspucken aus Dankbarkeit. Noch was anderes: In stundenlanger fitzeliger Kleinarbeit habe ich das boese Popfetcher-Plugin fuers Blog dazu ueberredet, pro Tag einen Eintrag zu machen, der immer mit den neuesten Mails ergaenzt wird, also so ein einseitiger Liveticker. Der Vorteil von vielen Einzeleintraegen pro Tag waere aber, dass Leute, die einen RSS-Reader (wie Google Reader) verwenden, dort immer gleich sehen, wenn was neues da ist und nicht noch ein Fenster staendig reloaden muessen. Gibt's Leser, die da eine Meinung dazu haben? Montag, 21. Juli 2008Ein Problem...
... das mich schon seit Samstag quaelt. Prinzipiell lief die Ausfahrt ja ganz gut. Ich dachte mir, wenn ich schon zu wenig Zeit/Lust fuer eine ordentliche Tour habe, dann simulieren wir eine solche mit 50 km fahren, bis 4 Uhr frueh fortgehen und am naechsten Tag nochmals 65 km radeln. Die gute Nachricht: Ich hab's ueberlebt, obwohl wenn das Aspirin nach 30 km in der Sonne nachlaesst, kein schoenes Gefuehl.
Die schlechte Nachricht. Tja, wie soll man das sagen. Ich betone ja recht oft, wie schoen es ist, bergab zu fahren. Richtig schoen laufen lassen, Kinn auf Lenker, Knie an Oberrohr gepresst, den Wind um die Ohren, mit voller Konzentration volle Kanone hinunterschiessen, Kurven punktgenau anbremsen, hineinlegen und dann mit aller Kraft wieder rausbeschleunigen. Ca. so: ![]() Aber am Samstag, als ich den Dopplerhuetten-Downhill anging, da fuehlte sich das gaaaanz anders an. Selbst wenn der Geist sagt: Awa geh, stuhl dich net an, irgendwo tief drinnen sitzt das Schmerzgedaechtnis. Und egal, was Herr Grosshirn dann fuer Befehle schickt, irgendwie, irgendwo gehen sie verloren, und dann: Zuckelt man gemuetlich und aufrecht auf der Geraden dahin, erspaeht in 2 km Entfernung eine Kurve und beginnt schon mal vorsorglich mit dem Bremsen. Wenn man einen halben km weit weg ist, stehen bleiben, absteigen, Rad schultern, drumherum tragen und nachher vorsichtig wieder weiterrollen. Gerade nicht, dass ich die Fuesse aus den Pedalen habe und damit am Boden schleife zwecks Extrabremse. Schaurig, ca. so: ![]() Das macht mir insofern Sorge, als zwar die koerperlichen Blessuren und Beschaedigungen zwar schon fast geheilt sind (Ripperl aechzt noch ab und zu, Finger ist schon etwas duenner geworden), aber das ist ein absoluter Showstopper fuer den Alpenritt. Ich traeumte des Nachts von den vielen, vielen Bergen, die ich hinunterzischen koennen werde, vorbei an erstaunten Kuehen, applaudierenden Alpenbewohnern und beeindruckten Alpenbewohnerinnen, aber wenn ich bis dahin den Spass am Bergabfahren nicht wiederfinde, dann ist's nur mehr halb so lustig. Was hilft da? Genau. Abwarten und Bergabfahren. Irgendwann geht's wieder (bis zum naechsten Sturz). Ja, wer kommt denn da aus dem Loch gekrochen?
Schau an, so sieht sie also aus, die allgemeine Begeisterung fuer den Radsport!
Zugegeben nicht grundlos, es passiert nicht alle Tage, dass sich ein Schluchtenscheisser bei einem Sportereignis auszeichnet. Zum perfekten Happy End haette nur gefehlt, dass er ins Gelbe faehrt, der sog. Koksi (zumindest sein Teamkollege Robert Foerster nennt ihn so in seinem Tourtagebuch, was ich angesichts der aktuellen Diskussion um Drogenmissbrauch der Pros etwas fehl am Platz finde). Aber vollkommen egal, was noch passiert, auch wenn's die beste Platzierung ist, mit der er mit einem Sturz ausscheidet (wie so oft): Respekt. Neid. Anerkennung. Und vor allem: Freude! Ungebaendigter, unreservierter Jubel! Man vergesse Monitoranschreien und Tischkantenbeissen, man stelle sich mich vor, wie ich der endgueltigen Gehirnueberlastung nahe wie gelaehmt vor meinem raeudigen Livestream sitze bei diesen letzten 30 Minuten oder so der Bergankunft und es einfach, schlicht und ergreifend nicht packe. Und da ich auch ein grosser Fan der Gebrueder Schleck bin (und kein Freund von Cadel "Reifenlutscher" Evans), war es ein wahres Feuerwerk der Guten Dinge(tm), die da abliefen. Andy Schleck, wie er Tempo machte, dass es aussah als wuerden die hinten stehengeblieben sein, Fraenk Schleck, der ein wenig zu schwaecheln schien, um dann umso staerker zurueckzukommen, Denis Menchov mit seiner Attacke, wie er dabei in einer Kurve auf die Nase fiel, wie sie alle auf ihn warteten, wie Carlos Sastre die entscheidende Attacke machte und Koksi (na oida) mitging, wie er sogar noch Gegenattacken starten konnte, und 1 km vor Schluss NOCH IMMER VORN WAR, und Cadel Evans dann endgueltig hintennachhing, und Kohl mit allerletzter Kraft ins Ziel sprintete wegen jedem Fuzzerl Zeit, und dann das Zittern wegen der Sekunden, und dann Fraenk Schleck, der den Cadel stehen liess im Schlussprint, und: Zweiter in der Gesamtwertung, hinter Fraenk. Und Bergtrikot (aber das war mehr oder weniger schon von der 1. Bergwertung an klar). Ich glaub ich spinn'! Was ich jetzt noch machen muss: Die Arroganz der Selbstgerechten auflegen und veraechtlich all jene anspucken, die sich ploetzlich fuer Radsport begeistern. Ich wusste es ja schon immer, aus dem Buam wird noch was. Und ich hab mit ihm schon trainiert (ha!), da war er noch kein Superstar, da war Koksi (wuerg) hoechstens noch als Vorher-Model fuer Kieferoperationen bekannt. Und sowieso, was wollen da ploetzlich Greti und Pleti mitreden, keine Ahnung von der Materie und jetzt auf einmal Bidon und Peloton ueberall. Man fuehlt sich schon ein wenig bedraengt in seiner kuscheligen Nische, wenn da auf einmal alle reinwollen. Irgendwie wahrscheinlich ein bissi, wie die wahren Fussballfans waehrend der EM. Ob das jetzt auch so wird wie in Deutschland 1997, als Ullrich die Tour gewann? Als innert 17 Sekunden saemtliche Rennraeder und Lycra-Strumpfhosen ausverkauft waren? Scharen von Freizeitsportlern die Landstrassen bevoelkerten? Die Herzinfarktrate und Uebergewicht dramatisch sanken, dafuer der Power-Bar-Umsatz sich verhundertfachte? Die Kinder ihre Fullsuspension-Mountainbikes auf grosse Scheiterhaufen warfen und Rennlenker auf einen Dreiralla montierten, weil das cooler war? Als Rennradler ploetzlich nicht mehr von der Strasse gehupt sondern respektvoll im vorgeschriebenen Seitenabstand ueberholt wurden? Ok, letzteres war jetzt wirklich uebertrieben, das geht natuerlich nicht. Auch 17 Sekunden stimmt natuerlich so nicht, weil die Tour hoert am Sonntag auf, und die Radgeschaefte sperren im Normalfall ja erst irgendwann am Nachmittag auf, wenn ueberhaupt. Sagen wir, 17 Stunden. Naja, was soll's. Warten wir auf die naechsten Dopingtests, vielleicht gehoert er dann bald wieder mir, mir allein, ganz allein mir, der Radsport!
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