Wahnsinn, das arme Blog hier ist ganz staubig und verrostet. Beim Aufruf des Eintrageintippformulars konnte ich es direkt knarren und aechzen hoeren, als es sich der Server aus der mueden Festplatte sog und, ich schwoere, ganz viele empoerte Spinnen krabbelten kurz ueber den Bildschirm ins rettende Dunkel.
Mit einem vernachlaessigten Blog ist es ja so wie mit alten Bekannten, die man schon lang nimmer angerufen hat. Man nimmt es sich immer vor, es vergeht immer mehr Zeit, und wenn die URL im Adressleisten-Autocomplete zufaellig auftaucht, dann sagt man sich: jetzt aber bald einmal wieder, aber es ist einem dann zu peinlich. Und wenn man sich ueberwunden hat, dann verbringt man unnoetig viele Worte damit, sich zu entschuldigen und zu erklaeren, so wie ich jetzt hier. Also, Ausrede #1: Ich bin ja jetzt in den Kreis der A-Listen-Blogger aufgenommen worden, als die viel zu nette G. in einem kurzen Zusammenbruch der Kritikfaehigkeit der zufaellig mit einem mir sowieso unerklaerlichen Inspirationsschub koinzidierte, mich an den Kurier verzuhaelterte. Mit diesem Statusschub verbundene Verpflichtungen (haupts. Koks & Nutten, mehr darf ich nicht erzaehlen) nagen natuerlich ebenfalls am Zeitkonto. Und nein, ich lasse mir diese Aussrede nicht von der Tatsache verderben, dass mir eh die meiste Zeit ueber fad ist.
So, viele Worte, aber was gibt's wirklich bloggenswertes? B. hat eben ganz nett von einem globalen Abziehbild des Fixiefahrers gesprochen. Das hat mich an die tausendmillionen Stahlrahmenrennradfahrer in Zuerich erinnert (mehr als hier, auch einige wirklich feine Radgeschaefte), und daran, dass ich heute mein Spiegelbild im Vorlaufstrassen-Edelbobotempelspar gesehen habe. Es gab einen peinlichen Moment, als wir uns an nebeneinanderstehenden Verkehrszeichen beim An- respektive Abschnallen unserer italienischer Stahlrahmenrenner bemerkten, die Kuriertasche des anderen sahen, das Maokapperl nach oben schoben und kurz, so wie's die Dramaturgie vorschreibt, grimmassenschneidend herauszufinden versuchten, ob da nicht tatsaechlich ein Spiegel da ist. Nein, war er nicht, und ich dampfte frustriert ab. Naja, wenigstens hatten sowohl Rad als auch Kuriertasche unterschiedliche Farben, und ausserdem hat er sich sicher nicht die Pepperidge Farm Double Chocolate Chunk Cookies gekauft, sondern die mit Macadamia-Nuessen (obwohl die auch nicht schlecht sind). Ist doch oed, wenn man seine Uneinzigartigkeit so brutal vor Augen gefuehrt bekommt.
A pros pos, Vorlaufstrassen-Edelbobotempelspar. Zu besseren Zeiten mit besserem Wetter wurde ich da von einer nicht unhuebschen Radfahrerin recht freundlich & froehlich angelabert, was ich in meiner unnachahmlich-schlagfertigen Art natuerlich mit einem Haha. Aeh. Ja. Tja. beantwortete, bevor ich mich dann drin hinter der Katzenfutterpyramide versteckte und aengstlich hervorlugte, ob sie eh schon weg ist. Seit kurzem geh ich da jetzt jeden Tag um die selbe Zeit hin und schaue, ob sie wieder da ist, weil letzte Woche ist mir eine Antwort eingefallen.
Und weiter geht's im unkontrollierten Gedankenstrom. Wer
Copenhagen Cycle Chic noch nicht kennt, dem seien die taeglichen Fotos von stylischen Menschen mit Stoeckelschuhen, Handtaschen, Wollmantel und Regenschirmen auf 25kg-Raedern mit Kotfluegel und Klingel ans Herz gelegt, quasi als Erholung vom verschwitzen Fixie-Messenger-Einheitslook, der sich eh immer breiter macht. Hat irgendwie was. Jedenfalls muesste man ein Vienna Cycle Chic-Konkurrenzprodukt noch verschaemt hinter vorgehaltener Hand verstecken, wenn man die gestern gesichtete Radlerin als repraesentativ fuer diese Clique annimmt. Das mit den Stiefletten hat schon gepasst, aber die Edeljeans in die Socken stecken, das war dann doch nix.
Aber das Wetter ist ja schon eher nicht so toll, muss ich anmerken. Wie leergefegt sind Donaukanal & Ringradweg, und ich bereue all die grossen Worte ein wenig, die ich so grosszuegig ueber die vielen, vielen Neoradler heuer ergossen habe. Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Ausruestung, my ass. Dass man von aussen nicht nass wird, heisst noch lange net, dass es Spass macht. Zumindest nicht das Aufsteigen und Losfahren. Wenn man dann unterwegs ist, geht's eh. Es wird recht mollig warm unter den vielen Schichten, durch den Regen zu strampeln als einziger harter Knochen unter lauter Luschen gibt auch einen Motivationsschub. Viel mehr Autoverkehr bei Schlechtwetter (oder bild' ich mir das nur ein?) bedeutet an endlosen Kolonnen vorbeizucruisen und sich gut fuehlen dabei. Schneefahrten koennen sogar richtig lustig werden. Ich will jetzt aber nicht zu viele ermutigen, das ganze Jahr durchzufahren, wenigstens ein paar Wochen lang will ich die Radwege fuer mich allein haben, danke.
So, das waren nur ein paar Schnippsel, die ich da gach hinwerfen konnte. Ich weiss echt nicht, wie es hier weitergehen soll. Aus dem ohnehin nur spaerlich tropfenden weil total verkalkten Inspirationshahn kann ich kaum ein einziges kleines Kaesebloegchen fuellen, geschweige denn zwei anspruchsvolle hochgeistige Publikationen wie Baumtraenzer und die Radlergeschichten (jaja). Vielleicht sollte ich die persoenlichen Betrachtungen, Selbstbezichtigungen & Publikumsbespassungen hier lassen, und im Kurier als Professor Dr. Hekker, amtlich beeideter Experte fuer sowieso alles Zweiraedrige die ungewaschenen Massen belehren? Oder hier quasi die Ideen gaeren lassen, um sie dann in ihrer endgueltigen glanzvoller Pracht einer staunenden, breiten kurierlesenden Oeffentlichkeit zu praesentieren? (Ich bin mir ja nicht zu schade, Sachen zwei- oder mehrmals zu verwenden. Erst Teern und Federn und aus der Stadt gejagt werden sind fuer mich untruegliche Zeichen, dass der Witz jetzt wirklich ein wenig angeschimmelt ist).
Es wird sich weisen. Jetzt ist naemlich die Badewanne voll, und ich muss aufhoeren.