Die Tour ist aus. Wieder 11 Monate emotionales Vakuum, das irgendwie ueberbrueckt werden muss, behelfsmaessig gekittet mit belanglosen Sachen, wie Leben. Naja, ein wenig kann man es hinauszoegern, indem man noch einmal ein wenig seziert.
Zeitfahren ist zwar zum Zuschauen echt wirklich unendlich oed, so nicht gerade herumgemenchovt wird, aber dafuer gibt's Daten! Heuer war es ja ein bisserl spannender, weil Andy Schleck, eigentlich der schlechtere Zeitfahrer, von seinen 8 Sekunden Rueckstand im GC auf Alberto beim ersten Checkpoint auf einmal 2 Sekunden gut gemacht hatte. 6 kurze Sekuendchen haben da noch gefehlt! Ein paar Stunden davor hatten die beiden Favoriten fuer den Etappensieg ein endliches Duell: Tony Martin fuehrte beim 1. Check mit 9 Sekunden auf den eigentlich viel besseren Fabian Cancellara. Fuer beide drehte sich aber das Schicksal dann, und im Ziel lag Alberto vor Andy und Fabian vor Tony.
Ganz wichtig beim Zeitfahren ist angeblich das Pacing, also nicht am Anfang auf Anschlag und dann am Zahnfleisch ins Ziel kriechen. Aber auch locker dahindodeln, weil sonst zu viel verloren, holt man nimmermehr auf. Und weil es auf letour.fr alle Splits praktischerweise zum Copy & Paste im praktischen Tabulator-separierten Format gibt, und ich eh schon lang nix mehr mit R gemacht habe, schauen wir uns das einmal an. Frischerhands in R geladen, ein wenig herummassiert und dann mit
ggplot2 ein paar einfache Bildchen gemalt. Anstatt da mit Sekunden rumzupfuschen, dachte ich, schauen wir uns an, wie sich die Durchgeschnittsgeschwindigkeiten auf Abschnitt 1 (km 0 bis km 18,2), Abschnitt 2 (km 18,2 bis 36,2), Abschnitt 3 (km 36,2 bis 45,4) und 4 (45,4 bis Ziel bei km 52,0) entwickelt haben, und zwar nur im jeweiligen Abschnitt. Man beachte: 3 und 4 sind nur ca. halb so lang wie 1 und 2.
Zuerst die 3 besten auf dieser Etappe: Die sind recht frueh gestartet, weil die in den Bergen recht viel Zeit liegengelassen haben und dementsprechend weit hinten im GC sind. Grabsch war ueberhaupt die Rote Laterne, als 27. startete Martin, und dann noch als 39. Fabiaaaan.
Schluessel: Fabiaaaan #13, Martin #115, Grabsch #113 (ich war zu faul, noch die Namen in die Legende einzubauen). Grabsch hat relativ langsam angefangen, und sich erst spaeter richtig gesteigert. Allerdings insgesamt einfach zu langsam - im Ziel fast 2 Minuten Rueckstand. Ein wenig besser sieht's bei Martin aus - der hatte allerdings einen seltsamen Einbruch auf Abschnitt 2. Abschnitt 3 war er genauso schnell wie Fabian, zum Schluss beschleunigte er zwar nochmals, aber alles nix gegen den Schweizer Zeitfahr-Weltmeister. Der hat fast gemuetlich angefangen (50er-Schnitt, pah), und dann kontinuierlich gesteigert. Auf den letzten 8 km legte er noch einen Schnitt von 54,3 km/h hin. Unglaublich - er hatte allerdings auch den Vorteil, dass er die Zeiten von Martin schon kannte und genau wusste, wie schnell er fahren musste. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon von Abschnitt 2 genug Vorsprung, konnte sich also noch etwas "ausruhen", um am letzten Stueckerl so richtig die Sau rauszulassen.
Bei den Klassement-Fahrern sah's ganz anders aus. Der Schnitt liegt weit darunter - lt. Fernsehkastl hat am Nachmittag ein richtig boeser Wind zu wehen begonnen. Bei allen sieht man den Einbruch auf Abschnitt 2, der duerfte besonders windanfaellig gewesen sein. Interessant waer, das genauer anzuschauen - nur 25 % aller 170 Leute fuhren auf Stueck 2 schneller als auf 1, aber ich hab noch nicht gelugt, ob das mit der Startreihenfolge korreliert. Anekdotisch: Auch bei Martin sieht man den Einbruch, also kann's nicht der Wind (allein) gewesen sein.
Menchov (#191) war eindeutig der schnellste, Gesink (#195) der schneckigste. Spannend wird's im Vergleich der Gruenen mit der Orangen und Gelben Linie (#1: Alberto, #11: Andy, #181: Samuel Sanchez, ehemaligst 3. im Klassement, von Menchov eingestampft). Andy startete, wie gesagt, sehr schnell und lag vor Contador beim 1. Check. Aber er hat wohl ziemlich ueberdreht - die Abstaende zur gruenen Contador-Linie werden immer hoeher, er steigerte sich zwar wieder, aber bei weitem nicht im selben Ausmass wie Contador. Sanchez dagegen startete langsamer, lag dann fast ex-aequo (aber immer noch hinten), drehte dann voll auf und brach dafuer auf Abschnitt 4 etwas ein (im Vergleich zu Contador - er fuhr schon noch schneller als am 3.). Alberto selbst scheint sich auf den letzten 8 km die Seele aus dem Leib gefahren zu haben.
Van den Broek dagegen bestes Beispiel fuer wie man's auch net macht: Entweder er hatte besonders boesen Wind auf den 2. 18 km, oder er hat sich auf dem ersten Stueckerl so vorausgabt, dass nix mehr uebrig war (immerhin war er schneller als Sanchez). Jedenfalls hat er dann nochmals voll reingenusst, und ist die letzten 8 km sogar schneller gewesen als Schleck, aber insgesamt war's dann trotzdem nur die 5.schnellste Zeit der 6 GC-Fahrer.
So, und jetzt noch die Aenderung der Durchschnittsgeschwindigkeiten von Abschnitt 1 auf 2, 2 auf 3 und 3 auf 4, weil auch recht interessant (raeusper):
Das ist quasi die Masszahl fuer die Saurauslassung auf dem jeweiligen Abschnitt. VdBroek hatte seine Schweine tief in der Geheimgrube unterm Stall vergraben, aber dann trieb er die Schinkenspender quasi mit Fackel und Sense hinaus, dass es nur so quiekte. Von fast -3 km/h auf +3 km/h, und damit hat er sich anscheinend wirklich zu viele Koerndln aufgehoben gehabt. Wie schon angekuendigt, Fabian war der einzige, der auf Punkt 1 schon seine Grunzviechergatter geoeffnet hatte. Dass er sich von diesem hohen Niveau noch einmal am 2.meisten steigern konnte, spricht dann fuer einen eingebauten Motor, der magischerweise ohne Batterie und Laufgeraeusch funktioniert (bitte ankreuzen, wenn man italienischer Journalist ist) oder dafuer, dass er einfach der beste Zeitfahrer ist, im Moment (Drogen nehmen sie eh alle dieselben). Andy dagegen (#11, fuer die Kurzzeitgedaechtnisbeeintraechtigten) schien schon am Anfang ziemlich auf Anschlag gewesen zu sein - die geringsten Steigerungen von allen, und damit auch insgesamt eher nicht so gut abgeschnitten. Denis "The Pope" Menchov (sehr lustig: von Eurosport verliehener Boxer-Name, weil er immer den Boden kuesst) ist uebrigens der einzige, der zum Schluss deutlich weniger beschleunigen konnte als von 2 auf 3. Vielleicht wusste er aber auch schon, dass er mehr als genug Polster auf Sanchez hatte und ist deswegen nicht ganz auf Druck geradelt.
Soda, genug generdet. Wer bis hierher gelesen hat: Wie fad kann einem eigentlich sein?!