oder: Also sprach Zarafrustra.
Man gewoehnt sich ja so leicht an einen angenehmen Zustand, aber dann ist es umso schockierender, wenn wieder der alte grauslige Trott eintritt. Jetzt krabbeln sie grad wieder alle aus ihren Loechern hervor, stauben ihre rostigen oelfreien Kisten ab, packen sich sicherheitshalber doch in 200 Schichten und dann geht's los. Da weiss man gar nicht, was lauter ist: Die quietschende Kette, die ratternde Schaltung, die klappernden Blechkotscherben oder die schnaufenden Fahrer, denen der Winterspeck links und rechts ueber den Sattel quillt. Ohne Sinn und Verstand, wankend schwankend auf dem flachen Reifen dahintorkelnd, nicht schauen, egal ob Gehsteig, Radweg in die Gegenrichtung oder rote Ampel, oder aber bei der Kreuzung aber immer ganz vorn aufstellen, auch wenn man schon nur mehr mitten am Zebrastreifen Platz, weil der Rennradler, der da an der Linie lauert wird ganz sicher langsam loszuckeln, langsamer als der zumindest, der seine Schaltung nur als rostiges Ornament mit sich fuehrt und mit wegen der 44/11-Uebersetzung mit einer 3m-Amplitude losschwankt.
Freude auch darueber, dass noch 3 Tage, nachdem einmal ein halber Regentropfen herniedergefallen ist, alle wenigen brauchbaren Radstaender vollkommen ueberfuellt sind, weil bei dem Guss kann man ja nimmer heimfahren.
Es beginnt also wieder, der Slalom um die mobilen Hindernisse. Mit ein paar einfachen Vorraussetzungen aber leicht ueberstehbar: Ringradweg meiden und bei entgegenkommenden rocktragenden Frauen den Blick nicht allzulang von der eigenen Route ablenken lassen. Manchmal tut's im Herzerl weh, wenn's gar zu arg quietscht, oder schon mehr auf der Felge gefahren wird - so ein Tropferl Oel oder ein Hauch Luft, das kostet fast nix und geht recht schnell. Denkt's an eure armen Raeder, Leute.
A pros pos: Heute an der Alser Strasse sahen wir ein Rad an eine Laterne gekettet, das lag ganz hilflos am Boden. Und alle Leute sind vorbeigegangen, einfach so, unglaublich. Wollte schon die Rettung rufen und ihm beruhigend die zitternden Flanken streicheln, wir sind dann aber doch vom Hunger getrieben zum Mittagscordonbleu gegangen. Beim Zurueckkommen stand es schon wieder, gsd. Aber dafuer um einen Sattel leichter und um ein zweites Drahtseilschloss reicher, das mir vorher nicht aufgefallen war - sehr seltsam.
Es ist aber wohl nur der Frust, der da spricht, weil naemlich der Herr Andi heute gestanden hat, dass der Grosshaendler die Raeder nicht wie angekuendigt am Freitag bekommen & weitergeschickt hat, sie wurden erst heute aus Deutschland angeliefert. Trostpflaster: Eins davon wurde sofort umgelenkt und wird (wahrscheinlich! ich wage kaum zu hoffen!) am Freitag bei ihm eintrudeln. Heissa! Wenn's denn wahr ist.
Weil ich finde es eh loeblich, wenn die Leute mehr radfahren. Aber, ohne zu behaupten, dass ich mich jetzt sklavisch an jeden STVO-Paragraphen halte, was manche da so abhalten, das geht auf keine Kuhhaut. zB bringt's nix, wenn man mal gestanden ist bei einer roten Ampel, da kann man auch gleich warten, bis gruen ist. Die 30 Sekunden Vorsprung zahlen sich selten aus, und das wirklich relevante hat man eh schon verloren - die wertvolle Bewegungsenergie, die man zuerst mit Bremsen verschwendet hat und dann muehsam wieder reintreten muss. Oder auf dem Radstreifen, der mich freundlicherweise gegen die Einbahn fahren laesst, in die falsche Richtung fahren - dafuer gibt's die Strasse, denn wie die Orientierung der aufgemalten Raeder und auch die oefters wiederholten Pfeile andeuten, hier geht's andersrum! Und dann schauen wie die Uhus, wenn ich da einfach draufhalte und keine Andeutung zum Schlenkern oder Bremsen mache. Und zu guter Letzt: Der Donauradweg ist an manchen Stellen nicht sehr breit. Gegenverkehr soll vorkommen. Nebeneinander fahren ist ja schon ok. Sollte man aber den Gegenverkehr schon aus 100 m Entfernung sehen, koennte man ja die verbleibende Zeit bis zum potentiellen Aufprall dafuer nutzen, vor oder hinter dem Nebenmann/frau einzuscheren.
Und wie gesagt, den armen Drahtesel auch mal verwoehnen und auf Wellness-Kur schicken. So ein Service dauert im Sommer zwar manchmal auch drei, vier Tage, weil die armen Mechaniker alle Haende voll zu tun haben, dafuer ist er nachher pico bello in Schuss und das Fahren macht gleich viel mehr Spass. Man glaubt es kaum, was so eine frische Kette ausmacht und wieviel schoener so eine Schaltung funktioniert, wenn sie eingestellt ist.
Predigt aus.